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Die Geschichte vom Gigolo

Die Geschichte vom Gigolo

Er versteht nicht wirklich, warum die Thai-Ladys auf die europäischen Südländer abfahren. Warum sie deren Gesülze bedingungslos glauben. Okay, am Anfang erzählen und versprechen die Casanovas ihnen das Blaue vom Himmel, auf der anderen Seite glauben die Gigolos den Geschichten der Frauen offensichtlich ebenfalls bedingungslos.

Bringt es die Frau zudem fertig, ihn in ihr Dorf zu schleppen, wo er das Elend in Gestalt der Mutter sieht, die nur mit einem Tuch bekleidet ist und im schwarzen Gebiss mehrere fehlende Zähne aufweist, und der Tatsache, dass Geldmittel fehlen, um das überdimensionale Haus fertig zu stellen, genügen anscheinend, um das Helfersyndrom in ihm zu entfachen, und der Geldbeutel wird geöffnet, und die daraus entnommene Kreditkarte in den Geldautomaten gesteckt.

Wegen des guten Glaubens und des Unvermögens, rechnen zu können, ist der Gigolo der Ansicht, eine Gute erwischt zu haben, die nur Geld für ihre Familia braucht. Dass er, um seine Großzügigkeit wieder finanziell einfahren zu können, ein Jahr arbeiten und sparen muss, um sich dann gerade einmal mit seiner Liebe drei Wochen im Jahr vergnügen zu können, wird ihm nach dem dritten Jahr bewusst. Das Haus bleibt unvollendet, und die italienische Fahne wird über dem Dorf wieder eingezogen.

Aber der Typ bleibt in den Köpfen der Frauen stecken als Hoffnungsträger für die Zukunft.
Eigentlich sind es Herzensbrecher, als Gigolo bezeichnet man doch einen Mann, der eine in der Regel sexuell geprägte längerfristige Beziehung mit einer deutlich älteren Frau hat und von dieser finanziell unterstützt wird. Dies kommt in Thailand ganz sicher nicht vor. Der Herzensbrecher jedoch erobert die Frau durch seine Reize und durch Schmeicheleien, bis sie sich in ihn verliebt und auf große Geldforderungen verzichtet, obwohl er keine ernsthaften Absichten hegt, sondern nur auf ein Liebesabenteuer, eine billige Sexbeziehung oder einen Flirt aus ist und dadurch späteren Kummer und Herzleid bei der Thaifrau verursacht.

Aber wahrscheinlich trifft dies auch auf andere Nationalitäten zu.

An einem Bankautomaten lässt er das Bankbuch seiner an Brustkrebs erkrankten Freundin Darling auf den aktuellen Stand bringen. Sie hat ihm erzählt, dass sie keine nennenswerten Vermögenswerte besitzt, um ihre Krebsoperation zu finanzieren. Beim Saubermachen ist ihm das Bankbuch in die Hände gefallen, und von Neugier getrieben, will er sehen, wie der Kontostand lautet.

Der Automat gibt ein grunzendes Geräusch von sich, spuckt das Büchlein aus, und er hält den Auszug in den Händen, und beim Anblick des aktuellen Kontostandes springen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Er bleibt wie angewurzelt vor dem Bankgebäude stehen und schaut sich Darlings Eingänge und Bezüge der letzten Monate an. Ihm wird fast schlecht. Er kann es kaum fassen.

Da sind nicht nur die regelmäßigen monatlichen Eingänge von Knochen, ihrem Opa, wie sie ihm immer versucht hat einzureden. Nein, da war ganz klar noch mindestens ein Mann, der offensichtlich Geld zu haben schien und Darling regelmäßig unterstützte, aus welchen Beweg- und Gefühlsgründen auch immer.

Ihm ist sofort klar, dass das nur der Italiener sein kann. Mario Milano. Die Tatsache, bei der es ihm schwindlig wird, ist, dass Darling von ihm ebenso Geld will, obwohl ihr doch bewusst ist, dass er es sich für die Operation borgen oder stehlen muss und sie nota bene einen doppelt so hohen Betrag auf ihrem Konto ausweisen kann.

Wieder im Zimmer zieht er die Kommode nochmals ganz hervor, um das Bankbüchlein wieder ins Versteck zu legen. Dabei kommen unter der Kommode drei Fotos zum Vorschein. Auf allen dreien ist ein Mann zu sehen, den er aus unerklärlichen Gründen als Mario Milano erkennt. Mario Milano mit einem Jungen, wohl Darlings Sohn, vor einem halbfertigen Haus. Ein Selfie mit Mario Milano und Darling Wange an Wange, im Hintergrund das Meer. Auf dem letzten Foto alle mit strahlendem Gesicht: Mario Milano, Sohn, Darling und eine ältere Frau mit schlechten Zähnen, wohl die Großmutter des Jungen, sprich Darlings Mutter.

Er beschließt, seine Entdeckungen vorläufig für sich zu behalten und Darling abends nicht damit zu konfrontieren, sondern bis zu dem Tag abzuwarten, an dem sie operiert werden soll. Denn da dürfte sie mit seinem Geld rechnen, damit sie das Spital bezahlen kann.

Pedro B. Erger

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