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Die deutschen Kolonien – Teil 1

Die deutschen Kolonien – Teil 1

Im Gegensatz zu den großen Kolonialmächten wie England, Frankreich und den Niederlanden, begann Deutschland erst sehr spät ein Kolonialreich aufzubauen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Gebiete vor allem im pazifischen Raum erworben und nach dem Ersten Weltkrieg gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 wieder abgetreten.

Diese Kolonien wurden von Bismarck als Schutzgebiete bezeichnet, weil er in ihnen den deutschen Handel schützen wollte und weniger eine Erweiterung Deutschlands sah. Die deutschen Kolonien waren trotzdem 1914 das an Fläche viertgrößte Kolonialreich nach dem britischen, französischen und russischen Weltreich. Gemessen an der Bevölkerungszahl lag es etwa an fünfter Stelle nach den niederländischen Kolonien. Diese Kolonien waren gemäß Artikel 1 der Verfassung des Deutschen Reichs nicht Bestandteil des Reichsgebietes, sondern überseeischer Besitz des Deutschen Reichs.

Die deutschen Kolonien
Die deutschen Kolonien

Ausgewanderte Deutsche gründeten in Übersee Siedlungen, die ersten Kolonien konnten aber keine deutschen Souveränitätsrechte ausübten. In den Staaten des 1815 gegründeten Deutschen Bundes und des 1833 gegründeten Deutschen Zollvereins wurde nach kolonialer Ausdehnung verlangt, doch von staatlicher Seite gab es keine solchen Bestrebungen.

Einigermaßen erfolgreich war der 1842 gegründete Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas, der die deutschen Siedlungen in Texas zu einer Kolonie „Neu Deutschland“ ausweiten wollte, aber die Annexion der Republik Texas durch die Vereinigten Staaten 1845 machte dem ein Ende. Texas gehört also eigentlich uns, wenn da die Mexikaner nicht gewesen wären (… ein Scherz!)

Das eigentliche Interesse an Kolonien fehlte zu diesem Zeitpunkt, da das spätere deutsche Reich noch mit sich selbst beschäftigt war und eine Seemacht, sprich Marine, die man zur Durchsetzung gebraucht hätte, nicht existierte. Mit dem Aufbau der österreichischen und der preußischen Flotte ab 1848 wurden solche Machtmittel dann geschaffen.

Die ersten Fälle kolonialen Ausgreifens nach Übersee erfolgten daher auch ausgesprochen zögerlich: 1876 wurde ein Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Tonga abgeschlossen, der Deutschland die Errichtung einer Kohlestation in der zu Tonga zählenden Inselgruppe Vava’u zusicherte. Dem Deutschen Reich wurden alle Rechte der freien Benutzung des dafür nötigen Grund und Bodens garantiert. Die Hoheitsrechte des Königs von Tonga sollten allerdings unbeschadet bleiben. Zur eigentlichen Kolonisation kam es nicht.

Das Jahr 1884 markiert den eigentlichen Beginn der deutschen Kolonialerwerbungen, wenn auch schon seit 1876 Besitz und Rechte für das Deutsche Reich in Übersee erworben wurden. In gut einem Jahr wurde das flächenmäßig nach dem britischen und französischen drittgrößte Überseekolonialreich geschaffen. Otto von Bismarck stellte nach englischem Vorbild mehrere Besitzungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Deutschen Reichs.

Die deutschen KolonienZunächst wurden die vom Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz erworbenen Besitzungen an der Bucht von Angara Pequena („Lüderitzbucht“) und das angrenzende Hinterland („Lüderitzland“) im April 1884 als Deutsch-Südwestafrika unter den Schutz des Deutschen Reichs gestellt. Im Juli folgten Togoland und die Besitzungen von Adolph Woermann in Kamerun, im Februar 1885 das von Carl Peters und dessen Gesellschaft für deutsche Kolonisation erworbene ostafrikanische Gebiet, und im April erwarben die Brüder Denhardt schließlich noch Wituland im heutigen Kenia.

Mit der Übernahme von pazifischen Gebieten – im Mai 1885 Nordost-Neuguinea (Kaiser-Wilhelms-Land) und der davor gelegenen Inselgruppe (Bismarck-Archipel) sowie später der Marshall- und mehreren Salomon-Inseln – war die erste Phase deutscher Kolonialpolitik bis 1886 weitgehend abgeschlossen. Eine Ausweitung der pazifischen Besitzungen scheiterte zunächst am sogenannten Karolinenstreit.

1888 beendete das Reich auf dem mittelpazifischen Nauru den Stammeskrieg und annektierte auch diese Insel.

1889 erwog Bismarck einen Rückzug Deutschlands aus der Kolonialpolitik. Die deutschen Aktivitäten in Ostafrika und auch die Bestrebungen bezüglich Samoas wollte er nach Aussage von Zeitzeugen ganz beenden. Weiter wurde berichtet, Bismarck mochte nichts mehr mit der Verwaltung der Kolonien zu tun haben und wollte sie der Admiralität übergeben. Nach 1890 gelang nur noch der Erwerb weniger Gebiete. 1897/98 wurde das chinesische Kiautschou mit dem Hafenort Tsingtau (da gibt’s noch heute eine deutsche Brauerei) ein deutsches Pachtgebiet. In einem 50-km-Halbkreis um die Kiautschou-Bucht wurde eine neutrale Zone eingerichtet, in der Chinas Souveränität durch Deutschland eingeschränkt war. Die Fortsetzung kommt in der nächsten Ausgabe.

Euer

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