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Der Tanz nach der nationalistischen Pfeife

Der Tanz nach der nationalistischen Pfeife

Warum sollten uigurische Migranten hier bleiben und „haufenweise Kinder werfen“, sagt Premierminister General Prayuth Chan-ocha in dem für ihn typischen Ton, der signalisiert, dass er mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen nicht viel am Hut hat.

Haufenweise Kinder werfen“ – diese umstrittene auf Thai gemachte Aussage, könnte auch etwas freier mit „sich wie die Karnickel vermehren“ übersetzt werden. Das vom General gesagte thailändische Wort „krok“ steht für „Werfen“ und bezieht sich auf den Nachwuchs von Hunden. „Krok“ vermittelt daher den Eindruck tierischer Lust. Es steht für ein Bild vieler Welpen, die aus dem Bauch einer Hündin krabbeln. Es ist kein Wort, das eine Mutter hören will, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hat.

Ob die Uiguren hier bleiben sollen oder in die Türkei gebracht oder in die Wüste nach China zurückgeschickt werden, aus der sie kamen, ist ein Problem. Wie die Presse damit umgeht, ist ein ganz anderes.
Das größte Problem aber ist, weshalb unser Premier nicht in einer angemessenen Art und Weise durch die schwierigen Gewässer internationaler Migration steuern konnte. Sein „krok“ ist kein Ausrutscher, auch wenn wir uns zu trösten versuchen, dass es so war. So, wie er es gesagt hatte, energisch und spontan, hörte es sich nicht an, ob die Worte vorsichtig gewählt waren. Sie flossen aus ihm heraus, es war unbewusst, und das ist schlimmer, denn das zeigt etwas Tieferes, etwas Symptomatisches der Militärdoktrin, die Mainstream-Agenda wurde: Auf Rasse basierender Nationalismus, der uns darin bestätigt, dass andere unter uns stehen – es spielt keine Rolle, ob es sich um legale oder illegale Immigranten handelt.

Erst waren es die Rohingya, jetzt sind es die Uiguren. Die braunhäutigen Boat People und die hellhäutigen Nomaden. Thailand ist nicht die moderne Seidenstraße, sondern ein Transitland mit porösen Grenzen, in dem Ungewissheit herrscht.

Thailand besteht darauf, dass es internationalem Standard entsprach, 109 Uiguren nach China abzuschieben. Die internationale Gemeinschaft, die Uno und Menschenrechtsorganisationen waren anderer Meinung, zumal die Türkei sich bereit erklärt hatte, die Uiguren aufzunehmen. Es wurde davor gewarnt, dass den moslemischen Uiguren in China Repressalien drohen, allein schon deshalb, weil sie unerlaubt das Land verlassen haben.

Die chinesische Regierung bemüht sich darum, die Uiguren mittels Kampagnen zu assimilieren – so wie es Thailand in den südlichen Unruheprovinzen versucht. Die Chinesen versuchen den Volksstamm aber auch mit kultureller und religiöser Unterdrückung in Schach zu halten. Einige flohen aus der Heimat, andere leisten gewalttätigen Widerstand. Nationalismus in China stützt sich ebenfalls auf Rassenzugehörigkeit, und die Angehörigen der moslemischen Ethnie, die als Turkvolk Verbindungen zur Türkei haben, sehen sich im von den in China dominierenden Han-Chinesen unterdrückt und betrachten sich als Bürger zweiter Klasse. Der Kreis von Unterdrückung, Widerstand, Migration und Abschiebung kommt einem bekannt vor.
Doch was bedeutet Nationalismus im Zeitalter von Internationalismus? Sehr wenig, scheint es. China kann es sich mit seinem geopolitischen Einfluss und seinem Geld vielleicht leisten, seine Ohren vor Menschenrechtskritik zu verschließen. Aber Thailand steht bereits wegen der Skandale um Rohingya und modernen Sklaven in der Fischerei im Blickpunkt, nicht zu vergessen die 99-Prozent-Demokrate (eine stolze Erfindung). Jetzt kam die Ungeschicktheit hinzu, wie der Fall der Uiguren abgewickelt wurde.
Das liegt nicht daran, dass das Außenministerium sagte, man befolgte das richtige Procedere, sondern weil wir einfach nicht merken, dass wir falsch tanzen.

Im Zeitalter der starken Verbundenheit, kommt es immer häufiger vor, dass unsere Regierung nicht vor nationalen Entscheidungen steht, nicht einmal bilateralen, sondern internationalen. Man kann wegen der Uiguren nicht die Hände der Chinesen schütteln, wenn es Spieler gibt, die dieses Problem zu dem ihren machen, angefangen von der Türkei über die USA bis hin zur Uno und islamischen Staaten, und jetzt will uns jeder an die Kehle, denn wir haben falsch eingeschätzt, was alles auf dem Spiel steht.

Das war Realität, bevor der Premier von „krok“ sprach – der thailändische Nationalismus in ein Wort zusammengefasst, der mit dem Rest der Welt nichts zu tun hat. Es könnte nicht zu viel verlangt sein, einen Regierungschef zu bitten, zweimal nachzudenken, bevor er etwas zu einem globalen Problem sagt. Hatten wir das nicht immer Thaksin Shinawatra vorgeworfen, weil er so arrogant auftrat?

Der Premier hat sich über die Uiguren natürlich auf Thai abschätzig geäußert, aber da gibt es etwas, das ihm sein Team sofort sagen sollte: Es spielt keine Rolle, ob er Thai oder Englisch oder Tibetanisch spricht, denn wir leben in einer Welt, in der, wenn man etwas in einem Land in einer Sprache sagt, es allen Ländern in allen Sprachen sagt.

Nationalismus ist bei Sport hilfreich, aber nicht auf dem internationalen Parkett. So funktioniert die Welt jetzt, und wer in der Vergangenheit feststeckt, der sollte nur sich selbst verantwortlich machen.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/619616/dancing-to-nationalism-outdated-tune

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