Header Banner
Header Banner

Der Strom wird knapp

Der Strom wird knapp

In Deutschland kommt es immer wieder zu schwierigen Situationen, wenn die Solaranlagen und Windparks nicht genügend Strom liefern. Da es dann zu wenig Strom gibt, werden Industrieanlagen abgeschaltet. Die Netzschwankungen werden sich durch den Ausbau der sogenannten „erneuerbaren Energien“ und dem Abschalten herkömmlicher Kraftwerke weiter verstärken.

Mitte Dezember letzten Jahres war in einigen Industriebetrieben nicht viel zu spüren von vorweihnachtlicher Stimmung oder gar Fröhlichkeit. Kurzfristig hatten die Netzbetreiber angekündigt, den Strom abschalten zu wollen: Grund: Am Mittag gab es zu wenig Strom. Auch hierfür gab es einen Grund: Die Netzbetreiber stellen Prognosen auf, um abzuschätzen, wie lange und intensiv die Sonne scheint, wie der Wind weht. Stimmen diese Prognosen später nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein, weil die Wetterlage zu komplex ist, gibt es entweder zu viel oder zu wenig Elektrizität.

Um Strom zu speichern, gibt es noch die Erfindung der Pumpspeicherkraftwerke. Jeder Freund von erneuerbaren Energien weist auf diese Erfindung hin und betont, dass auf diese Weise Strom gespeichert werden kann. Wasser wird in einem Pumpkraftwerk in einen Stausee gepumpt. Falls Strom benötigt wird, fließt das Wasser ab und treibt Turbinen an. Das Prinzip ist denkbar einfach. Das Problem ist, dass es viel zu wenige dieser Kraftwerke gibt und diese nur eine „Minutenreserve“ darstellen. Das heißt wortwörtlich, dass im Falle eines Stromausfalls diese Kraftwerke nur ein paar Minuten Strom liefern können. Dann ist auch hier Ende.

Genau wie in den Industriebetrieben, die als erstes abgeschaltet werden, wenn der Strom knapp wird. Niemand hätte sich vor ein paar Jahren vorstellen mögen, dass zu wenig Strom einmal ein Thema am Industriestandort Deutschland werden wird.

Gießereien, Aluminiumhütten und Walzwerke sind Großverbraucher, was Strom anbelangt, und werden nach einer kurzen Vorwarnfrist abgeschaltet – und das in ganz Deutschland, denn bei Stromknappheit zählt jedes Kilowatt.

Wegen der Abschaltung blieb an diesem 14. Dezember das Stromnetz stabil. Leute, die zu Hause waren oder im Büro arbeiteten, merken nicht, dass woanders Stress herrschte be­ziehungsweise Arbeiter nicht arbeiten konnten, weil sie quasi im Dunkeln saßen. Von Mittag bis drei Uhr nachmittags dauerte der Alarm, dann ging es wieder aufwärts.

Das war nicht der erste Alarm und auch nicht der letzte. Silvester wurde schon wieder mehr Strom benötigt als erzeugt wurde. Bereits gegen Mittag des 31. Dezember letzten Jahres wurde es brenzlig. 52.000 Megawatt Verbrauch standen 46.000 Megawatt erzeugtem Strom gegenüber. Ein Blackout konnte durch Stromimporte aus anderen Ländern verhindert werden.

Das gelingt jedoch nicht immer, denn mitunter wird auch in Frankreich der Strom knapp. Hier laufen Kernkraftwerke weiter, die eigentlich längst hätten abgeschaltet werden sollen. Dazu gehören beispielsweise die alten Meiler in Fessenheim. Abgeschaltet werden sollen die 2020. Ob die Franzosen zu ihrem Wort stehen, bleibt abzuwarten, denn die Abschaltung war zum neunten Mal angekündigt worden.
Um die Stromknappheit in Deutschland auszugleichen, werden von Netzwerkbetreibern immer öfter Industriebetriebe vom Netz genommen. Letztes Jahr waren es bis Weihnachten 78 Abschaltungen, beschwerte sich Hydro Aluminium in Neuss. Dies sei neuer Rekord gewesen. Die Vorwarnzeit beträgt in der Regel nicht mehr als 15 Minuten.

Zu den Abschaltungen kommt es häufig dann, wenn die Berechnungen, wie viel Strom aus Solarzellen erzeugt werden kann, nicht mit der Realität übereinstimmen. Am 14. Dezember wurde die zusätzliche Kapazität von zwei Atomkraftwerken benötigt, die aber einfach nicht da war.

Ganz übel wird es, wenn es unvermutet Hochnebel gibt: Dann können bis zu 8.000 Megawatt Strom fehlen, rund zehn Prozent des Verbrauchs. Dann muss schnell gehandelt werden, damit es nicht zum Blackout kommt.

Was dann passiert hatte der österreichische Schriftsteller Marc Elsberg in bunten Farben in seinem Thriller Blackout beschrieben. Es dauert nur wenige Tage, bis die uns bekannte Zivilisation bei so einem Blackout zusammenbricht, denn es hängt einfach alles vom Strom ab. Ist dieser nicht vorhanden, beginnt der Kampf ums nackte Überleben. Das Buch ist sehr spannend, macht aber gleichzeitig nachdenklich.

Die Netzbetreiber mögen nicht von Stromkrise sprechen, doch in den Industriebetrieben sieht man das anders. Wenn man überhaupt noch von Einzelfällen reden will, dann ist man bei der Industrie über deren Häufung verärgert. Der Notstrom, der mit Diesel hergestellt wird, ist für die Beleuchtung da. Ansonsten liegt die Produktion still, es gibt Sachschäden und Produktionsausfall. Die wirtschaftlichen Schäden betrugen im letzten Jahr Hunderttausende von Euro. Erstattet wird der Schaden nur in Höhe von bis zu 5.000 Euro. Das ist zu wenig.

Der Strom wird knapp
Der Strom wird knapp

Neben der Stromknappheit gibt es im Netz inzwischen auch Frequenzschwankungen, die den Industriebetrieben ebenfalls zu schaffen machen. Die gibt es vor allem dann, wenn Kraftwerke ein- bzw. abgeschaltet werden. Einige Windparks gehen um 22 Uhr vom Netz, um die Anwohner nachts nicht zu stören.

Nachts scheint auch keine Sonne, daher funktionieren die Solaranlagen nicht. Dann werden Kraftwerke eingeschaltet, und es kommt zu Frequenzschwankungen. Das gleiche passiert um sechs Uhr morgens unter umgekehrten Vorzeichen.

Die Industriebetriebe verfolgen mit Sorgen, dass in Deutschland die restlichen Bollwerke der sicheren Stromerzeugung wie Atom- und Kohlekraftwerke nach und nach abgeschaltet werden sollen.

Ähnliche Beiträge