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Der Reiz des Entfernten

Der Reiz des Entfernten

Luftverschmutzung, Hitze und ein starker Baht führen dazu, dass in diesem Jahr mehr Thais als je zuvor Auslandsreisen unternahmen, vor allem während der Songkran-Feiertage.

Während Thailand in diesem Jahr schätzungsweise über 40 Millionen Touristen begrüßen wird, fahren elf Millionen Thais ins Ausland. Die Zahl der Thais, die in anderen Ländern Urlaub machen, wächst jedes Jahr. Vor zehn Jahren waren es vier Millionen, 2018 waren es schon 10,2 Millionen Thais, teilte das Ministerium für Tourismus und Sport mit.

„Der weiterhin starke Baht und mehr internationale Flüge zu Preisen, die man sich leisten kann, sind die Hauptgründe hinter dem Boom der Auslandsreisen in den letzten Jahren“, sagte Charoen Wangananont, Vizepräsident des thailändischen Reiseverbandes.

In den letzten fünf Jahren stieg der Auslandstourismus jeweils um sieben bis acht Prozent, und in diesem Jahr wird das Wachstum wohl 8,5 Prozent betragen. So jedenfalls die Prognosen. Dann werden elf Millionen Thais in andere Länder reisen und auf diesen Reisen 330 Milliarden Baht ausgeben. Etwa ein Viertel dieser Touristen sind mit Reisegruppen unterwegs. In Thailand gibt es Hunderte von Reiseveranstaltern.

Im ersten Quartal des Jahres sind pro Monat durchschnittlich eine Million Thais ins Ausland gereist, rechnete Charoen aus, und die Zahl wird aller Voraussicht nach wegen der anstehenden Feiertage und der noch andauernden Schulferien weiter wachsen.

„Die hohen Temperaturen und der Dunst in mehreren Tourismusprovinzen sind auch eine Ursache dafür, dass Leute ins Ausland reisen“, sagte er.
Charoen sagt Dunst, meint aber Smog. Dieser Smog, der den Aufenthalt in den letzten Monaten in nördlichen Provinzen wie Chiang Mai und Chiang Rai geradezu lebensgefährlich gemacht hat, führte zu  Reservierungseinbrüchen. Hoteliers in den Provinzen waren darüber nicht sehr erfreut. Vor allem auch, weil zu Songkran nicht so viele Touristen in den Norden reisten als normalerweise.

Was den Smog betrifft, so ist erst im Laufe dieses Monats mit einer Entspannung zu rechnen.

„Normalerweise sind Einheimische mit Buschfeuern und dem Abfackeln von Feldern vor der Aussaat vertraut, doch in diesem Jahr eskalierte die Lage. Im März gab es keine Anzeichen dafür, dass das jemals aufhört“, sagte La-iad Bungsrithong, Präsident des thailändischen Hotelverbandes Nord.

Hotelbuchungen gingen auch in anderen Provinzen wie Mae Hong Son zurück. Das hatte signifikante Auswirkungen auf die Hotelindustrie, die in Hotels und Resorts, aber auch per Airbnb um die 60.000 Zimmer anbietet.

Der Smog in mehreren Touristenhochburgen hat doch stark an deren Beliebtheit gekratzt. So sehr, dass die Buchungen zurückgingen.

Buchungsdaten auf der Plattform Agoda zeigen, dass thailändische Reisende Songkran gern im Ausland verbrachten. Zu den Hauptreisezielen gehörten Städte wie Tokio, Osaka, Seoul oder Taipeh. In den letzten Jahren stand Bangkok immer an erster Stelle, doch diesmal wurde es von Tokio überholt.

Der Reiseverband fand heraus, dass in den Sommerferien ungefähr 30.000 Thais ins Ausland reisen, hauptsächlich nach Japan und Europa. Sie werden für ihren Urlaub ca. 900 Millionen Baht ausgeben.

Günstiger Wechselkurs

Urlauber aus Europa und Expats mögen über den Wechselkurs klagen. Doch wenn man in Thailand arbeitet und in harter Währung bezahlt wird, ist es genau umgekehrt. Der starke Baht kann für thailändische Urlauber nur von Vorteil sein.

Im Vergleich zum US-Dollar legte der Baht in diesem Jahr schon um vier Prozent zu und ist damit die stärkste Währung im südostasiatischen Raum.
Wenn der Baht in diesem Jahr weiter steigt, wird der Urlaub für thailändische Touristen immer billiger und die Kosten für Reiseveranstalter sinken kontinuierlich. Dann können Reiseveranstalter günstigere Pauschalreisen anbieten, sagte Charoen. Die Preise könnten um bis zu zehn Prozent sinken.

Abgesehen davon gibt es unter den Reiseveranstaltern einen harten Wettbewerb. Viele bieten daher kostengünstige Reisen an. Drei oder vier Tage Tokio oder Osaka kosten 25.000 bis 35.000 Baht. Eine einwöchige Reise in die tschechische Republik, nach Ungarn oder Österreich wird bereits für 34.000 Baht pro Person angeboten.

Doch einige Reiseveranstalter, vor allem diejenigen, die ausländische Touristen in Thailand betreuen, sind von dem starken Baht nicht gerade beglückt. Besucher, die nach Thailand kommen, müssen jedes Jahr tiefer in die Tasche greifen.

Der Verband der thailändischen Reiseveranstalter (ATTA), dessen Mitglieder sich um Touristen in Thailand kümmern, berichtete, dass der Pauschaltourismus schrumpft. Im ersten Quartal 2018 haben die ATTA-Mitglieder 1,68 Millionen Touristen betreut. Im ersten Quartal 2019 waren es 1,53 Millionen.

Letztes Jahr waren die Auswirkungen auch schon zu spüren: die ATTA-Mitglieder betreuten 2018 zusammen 5,58 Millionen Touristen. Ein Jahr zuvor waren es noch 5,82 Millionen gewesen.

ATTA-Verbandspräsident Vichit Prakobkosol sagte, wenn man bedenke, wie hart der Wettbewerb sei und bedenke, wie stark der Baht ist, sei es für die Veranstalter schwierig, die Preise für Pauschalreisen an den Bahtkurs anzupassen. Sie müssten vor allem darauf achten, dass sie keine roten Zahlen schreiben.

Lieblingsziele

Wenn Thais in Nachbarländer verreisen, so sind Malaysia und Laos die beliebtesten Reiseziele. Letztes Jahr besuchten 1,8 Millionen Thais Malaysia, 1,5 Millionen fuhren nach Laos, wie Daten des Ministeriums für Tourismus und Sport zeigen.

Abgesehen von den Nachbarländern, sind aber thailändische Reisende mehr an aus ihrer Sicht exotischen Reisezielen außerhalb der Region interessiert: Japan wurde eine Top-Destination, gefolgt von Ländern in Ost-Europa und auch China, wie der Verband der thailändischen Reiseveranstalter bekannt gab.

Eine Studie des Kasikorn Research Centre kam zu dem Ergebnis, dass Japan das Lieblingsreiseziel der Thais ist. 1,24 Millionen Thais reisten nach Japan. 2018 waren es 1,13 Millionen. Das ist eine Steigerung von 14,7 Prozent.

Seit 2013 verzeichnet Japan eine signifikant steigende Anzahl thailändischer Touristen, denn seit diesem Jahr brauchen Thais kein Visum mehr. Ähnlich verhält es sich mit Taiwan und Südkorea. Auch hier stieg die Zahl thailändischer Besucher an, weil sie für diese Länder kein Visum mehr benötigen.

Es gibt mehr Direktflüge, mehr attraktive Pauschalreisen und Sonderangebote, die Japan zu einem beliebten Reiseziel machen, wenn Thais ihren Urlaub im Ausland verbringen wollen.

Individual- und Gruppenreisen

Die Japan National Tourism Organisation bestätigte, dass die Anzahl der thailändischen Touristen anstieg, vor allem Besucher, die schon das zweite Mal nach Japan fahren und sich auch Reiseziele abseits der ausgetretenen Touristenpfade ansehen. Die Zahl der Individualtouristen steigt ebenfalls. Diese Leute machen inzwischen rund drei Viertel der Reisenden aus.

Sicherheit sowie eine reiche und alte Kultur nebst prima Wetter und einem guten Verkehrssystem machen Japan für die 24-Jährige Ganoknan Chaisukumarn zu einem perfekten Reiseziel.

„Ich fühle mich sicher, wenn ich allein nach Japan reise. Dort sind die öffentlichen Verkehrsmittel so gut, dass es kein Problem ist, mit ihnen weite Strecken zurückzulegen“, sagte sie.

Wie bereits erwähnt, ist die Zahl der thailändischen Individualreisenden höher als die der Gruppenreisenden. Laut Kasikorn Research Centre sind 72 Prozent der thailändischen Touristen auf eigene Faust unterwegs.

Gruppenreisen sind aber ebenfalls beliebt. Wegen des harten Wettbewerbs gibt es immer wieder Sonderangebote, die sich die Touristen leisten können. Die Hauptreiseländer sind hier ebenfalls Japan, aber auch Vietnam, Südkorea und einige europäische Reiseziele wie Österreich, Belgien, die Niederlande, Italien, Spanien und mehrere osteuropäische Länder.

Die meisten Individualreisenden sind jünger. Sie wollen ihre eigenen Reisen zusammenstellen und wenden sich dieserhalb an Online-Plattformen und Online-Reisebüros. Dort achten sie immer auf die besten Deals, die man bekommen kann. Die Individualreisenden sind auch sehr an Ausflügen und kulturellen und historischen Studienreisen interessiert.

Zu ihnen gehört Sakolwan Pumyong, 24 Jahre alt, die es bevorzugt, auf eigene Faust in andere Länder zu fahren, um zu einem guten Preis, die dortige Kultur und Geschichte zu erfahren. Laos und Burma gehören zu ihren Lieblingsländern. Sie hatte diese Länder schon besucht, da war sie noch gar nicht auf der Universität.

Hatsamon Kittipongvorakarn fährt gerne nach Europa. Am liebsten ist sie in Deutschland, denn dort seien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die Leute nett und das Essen sei lecker.

„Am wichtigsten ist aber, dass es hier viele großartige historische Bauten gibt, die ich fotografieren kann“, sagte sie.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/business/tourism-and-transport/1658320/the-lure-of-the-distant

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