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Der Boss ist der Boss und der Boss bleibt der Boss

Der Boss ist der Boss und der Boss bleibt der Boss

Der Boss ist frei. Der Boss ist der Boss. Der Boss diniert in Frankreich und macht in Japan Skiurlaub. Der Boss ist der Herr der Straßen und trampelt auf den Gesetzen herum. In der Pyramide der Privilegien steht der Boss ganz oben. In der Nahrungskette der Ungerechtigkeit erinnert uns der Boss immer und immer wieder, wer der Boss ist.

Wenn ein Außerirdischer auf die Erde kommt und darum bittet, Thailand zu beschreiben, sollten wir ihm die Geschichte vom Boss erzählen.

Wie ein Bulle, der einen nichts ahnenden Matador angreift, überfuhr Red-Bull Erbe Vorayuth „Boss“ Yoovidhya mit seinem schwarzen Ferrari am Morgen des 3. September 2012 mutmaßlich den Polizisten Wichian Klanprasert vom Polizeirevier Thong Lor. Fünf Jahre später weigert er sich immer noch, sich mit Vertretern der Staatsanwaltschaft zu treffen. Fünf Jahre später hat der Boss immer noch „zu viel zu tun.“ Seine brillanten Verteidiger wenden juristische Zaubertricks an, um das Treffen zu verschieben, und was uns am meisten schmerzt – uns, die Leute, die von den reichen Söhnchen und Töchterchen Bangkoks jeden Tag niedergetrampelt werden könnten – ist, dass die Staatsanwaltschaft der ganzen Angelegenheit gleichgültig gegenübersteht.

Um zu beweisen, dass die Staatsanwaltschaft arbeitet, wurde sein Termin erneut verschoben – diesmal auf den 27. April. Vorayuth, jetzt 32, behauptete, er habe in Großbritannien viel zu tun. Wir bezweifeln keinen Moment, dass er nach dem Artikel von Associated Press, der ihn beim Jet-Setting in der ganzen Welt beschreibt, tatsächlich viel zu tun hat: Boss muss in feinen Restaurants essen, er muss shoppen, muss Formel-1-Rennen zusehen und muss in den Skiurlaub fahren oder muss einfach nur am Pool sitzen.

Diese ganze Boss-Geschichte machte vor dem AP-Artikel schon wütend. So kompliziert ist der Fall nicht. Es gibt viele Zeugen und viele Indizien. Das Opfer war Polizeibeamter. Der Versuch der Verfahrensverschleppung ist offenkundig. Was uns noch wütender macht ist jedoch die Tatsache, dass Leute für weniger im Gefängnis landeten – und wie schnell die Justiz in diesen Fällen arbeiten kann. Bei diesen Fällen geht es um Leute, die in der Nahrungskette der Justiz niedriger angesiedelt sind. Da war die Lehrerin, die wegen fahrlässiger Tötung bei einem Verkehrsunfall ins Gefängnis musste, obwohl sie gar nicht gefahren war. Der Hausmeister, der fälschlicherweise wegen Raubüberfalls verurteilt wurde, und der die wahren Täter im Gefängnis traf. (Diese Täter wandten sich schriftlich an das Gericht, weil sie Mitleid mit dem Hausmeister hatten.) Das Senioren-Ehepaar, das für das Sammeln von Pilzen in einem Nationalpark zu Haftstrafen verurteilt worden war. Die Liste geht weiter.

Und natürlich ist da noch Jatupat „Pai Dao Din“ Boonpattararaksa, der seit vier Monaten in Haft sitzt, weil er einen Online-Artikel auf Facebook teilte. Das Gericht hat Jatupat mit der gleichen Regelmäßigkeit Kaution verweigert wie es die Termine mit Boss verschob. Jatupat wurde wenige Wochen nach seinem „Verbrechen“ verhaftet. Boss ist seit fünf Jahren ein freier Mann.

Wenn ein Außerirdischer nach Bangkok kommt, berichten Sie ihm von den Launen der Justiz. Für einige ist sie eine tödliche Spritze in den Kopf, für andere kann die Ankunft der Gerechtigkeit auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden – oder bis Verjährung eintritt. Bei Boss sind zwei Vorwürfe bereits verjährt, ein dritter folgt im September, der letzte (fahrlässige Tötung) verjährt in zehn Jahren. Wenn jemand Geld und Villen mit Swimmingpools hat, ist das nicht so lang.

Aber gelernt haben wir auch etwas. 2014 verlangten Vorayuths Verteidiger die Anhörung von mehr Zeugen. Dann erfolgte eine Petition an die Nationalversammlung (NLA) mit der erreicht werden sollte, dass Boss fairer behandelt wird. Über zwei Jahre später informierte die NLA die Staatsanwaltschaft über Vorayuths Antrag auf faire Behandlung. Es ist nicht klar, was „informieren“ bedeutet und welche Auswirkungen das hat.

Ist es nun so, dass jeder Vorladungen verschieben kann, wenn er eine Petition bei der NLA einreicht in der Hoffnung, dass diese die Staatsanwaltschaft „informiert“? Das hier ist ein Fall von Fahrerflucht mit einem Toten, und wenn jemandem weniger schwere Straftaten vorgeworfen werden, sollte das hier als Präzedenzfall angesehen werden. Es sei denn es gibt keine Präzedenz. Es gibt nur Boss.

Was passiert, ist offensichtlich. Die Manifestierung der Ungerechtigkeit, wenn das Gesetz angewandt wird, die Beziehung zwischen Reichtum und Justiz, die Tentakeln des Einflusses der Elite – die Reichen, die gut Vernetzten, die politische Klasse, das Militär – über den Normalbürger der Steuern zahlt und darauf wartet, auf dem Bürgersteig zu sterben, allein und schmerzvoll.

Der Boss kommt also davon. Alle anderen leben von den Brotkrumen der Gerechtigkeit, die immer zu spät kommt, wenn überhaupt.

Kong Rithdee (Redakteur bei der Bangkok Post.)

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