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Das wankende Thailand

Das wankende Thailand

Das wankende Thailand
Kein Land in Südostasien schießt sich öfter selbst ins Knie als Thailand, schreibt Thitinan Pongsudhirak, Dozent für Politikwissenschaften an der Chulalongkorn Universität.

Die zweitgrößte Wirtschaftsnation Südostasiens schafft es immer wieder, spektakulär schlecht abzuschneiden. Das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr wird auf zwei oder drei Prozent geschätzt, auch wenn Thailand das Potential hätte, ein doppelt so großes Wachstum hinzulegen. Zwei Jahrzehnte nachdem das Land als konsolidierende Demokratie galt, wird Thailand jetzt von einer Militärregierung angeführt. In weiten Teilen der Region wird es im Laufe des Jahres gute Nachrichten geben, aber in Thailand scheint es schwierig, gute Nachrichten zu finden.

Thailand ringt mit sich selbst. Die Wirtschaft stagniert und das politische System ist rückschrittlich. Im Mai wird es zwei Jahre her sein, dass die Militärs die Macht übernahmen. Thailand zweiter Putsch in weniger als zehn Jahren, während Thailand gleichzeitig in der mittleren Einkommensfalle festsitzt.
Es ist nicht einfach, ein reiches Land zu werden oder ein demokratisches. Singapur und Brunei sind die einzigen Länder Südostasiens mit hohen Einkommen – und es sind keine großen Länder. Das einzige südostasiatische Land, das einen erfolgreichen Übergang zur Demokratie geschafft hat ist Indonesien. Burma geht denselben Weg.
Für Thailand sah es bis zur asiatischen Finanzkrise 1997 gut aus. Mit einer ständig wachsenden Wirtschaft und einem Übergang zur Demokratie (nach dem Putsch von 1991) schien das Land auf dem richtigen Weg. Es wirkte als ob Thailand gleich hinter seinen asiatischen Nachbarn Japan, Taiwan und Südkorea kam. Es wurde reicher und war auf dem besten Weg zu einer konsolidierenden Demokratie. Aber wie viele Länder in Asien wurde es Ende der 90er Jahre schwer getroffen und scheint sich jetzt völlig verirrt zu haben. Thailands Bürger genießen weder den Wohlstand noch die politischen Freiheiten, die sie sich wünschen – und die Zukunftsaussichten sind auch nicht gerade rosig.
Thailands Wachstumsmodell – Fertigung und Exporte – dienten Thailand in den letzten beiden Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende, Voraussetzung war politische und makroökonomische Stabilität, Offenheit bei Handel sowie Investitionen in die Fertigung. Das wurde politische gefördert. So wie in anderen südostasiatischen Ländern auch, die den niedrigen Einkommen entkamen und in kurzer Zeit die Armutsrate reduzieren konnten.
Die Voraussetzung für hohe Wachstumsraten in einem Land mit geringen Einkommen, das Technologien von außerhalb übernimmt und viel importiert, ist eine starke Regierung, die Strategien für ein weiteres Wachstum ausarbeitet. Kritische Punkte sind politische Freiheit, Verteilungsgerechtigkeit und ein umweltfreundliches Wachstum. Als Thailand 2013 in die politische Krise rutschte, gab es viele Geschäftsleute und auch andere Bürger, die sich zur Rückkehr nach politischer Stabilität sehnten, was sie mit einem Wirtschaftsaufschwung und Reformen gleichsetzten.

Anfänglich sahen die Maßnahmen der Militärregierung viel versprechend aus. Während Vorbereitungen getroffen wurden, um Wahlen stattfinden zu lassen, wurden gleichzeitig unterschiedliche Wirtschaftspakete geschnürt. Infrastrukturprojekte sollten gebaut, Investitionen getätigt werden.
Doch fast zwei Jahre später soll es nur ein geschätztes Wirtschaftswachstum von drei Prozent oder weniger geben, während an der politischen Front gleichzeitig Unsicherheit herrscht. Es dürfte fraglich sein, ob Thailands 20. Verfassung daran etwas ändern wird, über die Mitte des Jahres bei einem Volksentscheid abgestimmt werden soll. Ob es 2017 wirklich Wahlen geben wird, weiß niemand so genau.

Je länger die Militärregierung an der Macht bleibt, umso schwieriger wird es für sie, die Putschkoalition zusammenzuhalten. Die Demokratische Partei, die sich für den Sturz der Regierung Yingluck Shinawatra ausgesprochen hatte, signalisiert bereits Unzufriedenheit mit der Regierungsform. Es gibt Bürgerrechtsgruppen und Bürokraten, die den Putsch unterstützten, jetzt aber nicht mehr wirklich begeistert sind. Die Unterstützung großer Konzerne scheint im Moment alles zusammenzuhalten, schrieb Thitinan, doch wenn diese nachlässt, dann könnte sich alles ändern.
Je länger der Weg zur Demokratie versperrt bleibt, umso aussichtsloser das Ziel, aus der mittleren Einkommensfalle auszubrechen. Wenn man von kleinen Ländern wie Singapur einmal absieht, haben alle reichen Länder ein liberales politisches System. Hinzu kommt, dass das thailändische Volk bereits Demokratie erleben durfte – eine Entwicklung, die sich kaum mehr rückgängig machen lassen dürfte.
Mit einem Einkommen von durchschnittlich 5.800 Dollar pro Jahr hat Thailand eine Entwicklungsstufe erreicht, die andere Wachstumsmodelle als Fertigung und Exporte benötigt: Höhere Einkommen können nur erzielt werden, wenn es Innovationen innerhalb des Landes gibt. Die gehen aber mit Offenheit und einem liberalen Regierungsstil einher.

Beitragsquelle : http://www.eastasiaforum.org/2016/02/01/thailand-looking-shaky/

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