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Das Video bei der Führerscheinprüfung

Das Video bei der Führerscheinprüfung

Angeblich überlegt die Regierung, deutlich höhere Strafen beim Fahren ohne Führerschein auszusprechen. 50.000 Baht Geldstrafe oder mehrere Monate Gefängnis sollen Fahrer erwarten, die ohne Führerschein unterwegs sind.

Wie viel Sorgen sich die Verkehrsbehörde um die Straßensicherheit macht, kann man daran sehen, wie die Lehrkomponente „Video gucken“ beim Prozess der Führerscheinprüfung aussieht. Da sind also 60 oder 70 Bewerber, die von Wand zu Wand in einem Raum sitzen und ein Video gucken, das eine Stunde lang ist. Um sicherzustellen, dass niemand diese „Lektion“ überspringt, wird von außen die Tür abgeschlossen.

Wenn hier mal ein Brand ausbricht, wird das zur Todesfalle.

Das Video selbst ist informativ. Nicht, weil es darum geht, wie man auf Thailands Straßen sicher fahren kann (das scheint man irgendwie aufgegeben zu haben), sondern darüber, wie die thailändische Gesellschaft funktioniert.

Zunächst einmal wird angenommen, dass man etwas lernst und verinnerlicht, indem man ein Video sieht ohne danach mittels Test geprüft zu werden, ob auch alles verstanden wurde. Ich bin sicher, dass einige meiner Mit-Fahrerlaubnis-Antragsteller nichts begriffen haben. Das Video ist auf Thais, mit wie auch immer gearteten englischen Untertiteln, und einige der Leute im Raum waren Chinesen, die kein Englisch sprachen.

Eigentlich ist es sogar noch schlimmer. Es geht um die Annahme, dass ein Video, das man einfach so zeigt, einen effektiven Lernvorgang auslöst, egal, ob die Zuschauer es ansehen oder nicht. Da ist niemand im Raum, der die Prüflinge überwachen oder beobachten würde.

Das Video besteht aus fünf oder sechs Teilen, jeder wird im Anschluss gleich noch einmal in einer Kurzfassung mit denselben Einstellungen wiederholt. Bereits nach der ersten Wiederholung lässt die Aufmerksamkeit im Raum verständlicherweise nach. Als wir die Hälfte des Videos hinter uns haben, haben die meisten Prüflinge, trotz Verbotsschildern an den Wänden, ihre Augen auf den kleinen Bildschirmen vor ihnen und nicht dem großen an der Wand. Diejenigen, die sich mit ihrem Handy beschäftigen, machen ein kleines Nickerchen.

Und hier haben Sie das thailändische Bildungssystem in wenigen Worten. Lernen hat nur etwas mit Zeit zu tun – Minuten, die man verbringt, in denen man von einem Video nichts lernt, oder Jahre, die man in der Schule verbringt, in denen man von einem Lehrer vor der Tafel nichts lernt. Wahre intellektuelle Beschäftigungen haben Einfluss auf Wissen, Verhalten, Fertigkeiten. Das spielt hier alles keine Rolle: Absolvieren Sie das thailändische Bildungssystem, indem Sie nicht lernen, sondern einfach Ihre Zeit absitzen.

Dann sind da die thailändischen Geschlechterrollen. Es gibt drei Hauptfiguren im Video. Der Slapstick-Schauspieler, der ein schlechtes Beispiel ist, weil er immer alles falsch macht, und dann ist da jemand, der (das englische Wort wird gebraucht) „Smart“ heißt, und eine andere Figur ist „Sweet“. Jetzt raten Sie mal, wer der Mann und wer die Frau ist.

In dem Video kommen Verkehrsregeln vor, die ich in der thailändischen Straßenverkehrsordnung einfach nicht finden konnte. Da wird genau gezeigt, wie man die Hand heben soll, bevor man sich auf den Kopf haut als Entschuldigung, dass man beim Fahren andere Fahrer belästigte.

Weiter im Text. Raten Sie einmal, wer den Fehler macht und wer das Modell für die korrekte Entschuldigung ist. Smart oder Sweet?

In dem Video geht es merkwürdigerweise kaum um das Thema, wie man auf thailändischen Straßen fahren soll und das überleben kann, sondern es geht vielmehr um die richtige Etikette. Einem wird mit einem völlig übertriebenen Schlag mit der flachen Hand gegen den Kopf gezeigt, nicht auf die Straße zu spucken oder eine Bananenschale aus dem Autofenster zu werfen. Uns wird auch gezeigt, dass wir nicht durch eine Pfütze fahren und dabei Fußgänger mit Wasser bespritzen sollen. Allerdings musste keiner der Schauspieler herhalten, um das zu verdeutlichen. Man sieht nur eine Pfütze am Straßenrand und ist aufgefordert, mit Hilfe seiner Phantasievorstellung zu ergründen, was hier geschehen könnte.

Aber wir sollten uns einfach an etwas erinnern: Die schrecklich hohen Zahlen der Verkehrstoten und Verletzten auf Thailands Straßen haben nichts mit Bananenschalen und Pfützen zu tun, sondern mit Alkohol. Wenn man das Video sieht, erfährt man nichts darüber, denn dieses Thema wurde vollkommen ausgeklammert.

Warum geht es eher um Verhalten als um Fahrkünste? Es scheint, die Verkehrsbehörde hat Angst vor Aggression im Straßenverkehr (Road Rage), was im Video äußerst charmant als „Vendetta“ übersetzt wird. Die englische Übersetzung ist derartig holprig, dass allein diese schon vom eigentlichen Video ablenkt. Es dauert ein paar Minuten, bis man dahinter kommt, dass mit „outpacing“ (überbieten) „overtaking“ (überholen) gemeint ist.

Die Panik um das richtige Verhalten hat mit der Tatsache zu tun, dass Thais nur eine begrenzte Fähigkeit haben, sozial mit Fremden zu interagieren, und sobald die dünne Schicht der Zivilisation durchbrochen wurde, wird es schnell gewalttätig. Das wird als der einzige Weg angesehen, Streitigkeiten beizulegen. Daher kommt es so häufig zu Road Rage.

Ich wurde also mittels Video „ausgebildet“, meine Sehkraft und meine Reaktionsfähigkeit wurden überprüft, und ich lernte, wie man wartet, um als 187. in der Reihe den Führerschein zu bekommen. Ich wurde aber niemals aufgefordert, mich hinters Steuer zu setzen.

Beitragsquelle : https://prachatai.com/english/node/7799?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

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