Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Das verlorene Jahrzehnt

Das verlorene Jahrzehnt

Als der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra durch einen Putsch gestürzt wurde, löste das in Thailand politische Ungewissheit aus. Das Land kam innenpolitisch nicht mehr zur Ruhe und kümmerte sich fast ausschließlich um sich selbst. Von politischen Beobachtern wird die Zeit, die nach 2006 kam, „das verlorene Jahrzehnt“ genannt. Jetzt sind es bereits elf Jahre.

Wenn der ehemalige Verkehrsminister Chadchart Sittipunt ein Test für den Weg in die Zukunft war, dann ist jetzt klar geworden, dass Thailand erneut oder immer noch in einer Sackgasse steckt. Es scheint keinen Weg zur Versöhnung zu geben. Nur diese könnte die politische Ungewissheit beenden.

So lange Thais wegen der Polarisierung verbittert und emotional sind, werden alle Pläne für die Zukunft einseitig sein.

Thailand hat wegen des politischen Konflikts ein Jahrzehnt verloren. Das Militär kontrolliert nach dem zweiten Putsch innerhalb dieses Zeitraums das Land, und alles sieht danach aus, dass ein weiteres verlorenes Jahrzehnt folgen wird.

Das sind die traurigen Aussichten für das Land, insbesondere für die jüngere Generation.

Was ist passiert? Chadchart Sittipunt war in der Regierung Yingluck Shinawatra Verkehrsminister. Er wurde von der jetzigen Regierung in ein Komitee berufen, das in den nächsten Jahren für die nationale Strategie des Landes zuständig ist.

Die Berufung zeigte, wie tief das Land gespalten ist. Einen Aufschrei hätte man erwarten können. Der Minister war in der Regierung Yingluck ein aufgehender Stern. Er sollte jetzt Mitglied eines Komitees der Regierung werden, die die Vorgängerregierung stürzte. Er wurde „Wendehals“ und „Verräter“ genannt, bevor das Wort „Kompromiss“ fiel.

Schließlich meldete sich Chadchart selbst zu Wort und lehnte den Posten ab. An einer Stelle hieß es sogar, er sei ohne sein Wissen in das Komitee berufen worden. Beide Seiten machten dann ein paar „Gesicht wahrende“ Gesten, und seitdem ist von der Angelegenheit nicht mehr die Rede.

Viel Lärm um nichts, mag man glauben, aber so ist es nicht. Vielleicht kann man zumindest darin übereinstimmen, dass der ehemalige Minister Chadchart das politische Talent verkörpert, dass die meisten Leute in diesem Land, unabhängig von ihrer politischen Einstellung, sehen wollen. Solch ein Talent wäre geeignet, Politik für die Öffentlichkeit zu machen und in dem richtungsweisenden Komitee für Nationale Strategie mitzuarbeiten. Die Tatsache, dass es hier offensichtlich keinen Platz für solche Talente gibt, die bei der Entwicklung des Landes helfen könnten, ob jetzt oder in Zukunft, sollte den Bürgern schlaflose Nächte bereiten.

Das heißt nicht, dass Chadchart glorifiziert werden soll. Es geht noch nicht einmal um ihn persönlich. Der Name des Mannes, der jetzt Geschäftsführer einer Immobilienfirma ist, müsste gar nicht genannt werden.

Es geht allein darum, dass viele Leute einen Mann wie Chadchart gerne sehen würden, der gut ausgebildet ist, weiß, was er tut, und eine moderate politische Einstellung hat sowie immer bemüht ist, ein Ohr beim Bürger zu haben. Solche Leute sollten in die Politik gehen.

Den großen Test konnte Chadchart allerdings nicht absolvieren. Er hatte einige großartige Ideen, er dachte an Projekte wie Schnellzugtrassen und Nahverkehrsmittel, wurde aber aus dem Amt geputscht bevor er seine Ideen umsetzen konnte.

Die Öffentlichkeit sah in ihm aber einen Mann mit einer Vision. Seine Pläne für Infrastrukturprojekte erinnerten die Bürger daran, dass Thailand im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern hinterher hinkt. Die fehlende Entwicklung im Bereich Schiene oder Wasserwege und Häfen (Thailand hat schon immer auf die Straße gesetzt) löste nicht nur eine schwache wirtschaftliche Entwicklung aus, sondern stand auch ausländischen Investitionen im Wege. Nicht zu vergessen, dass die Lebensqualität der Bevölkerung wegen der schlechten Infrastruktur leidet.

Er sagte als Verkehrsminister, dass Zeit das wertvollste Gut der Thais sei. Wegen der Schwierigkeiten, ein praktisches Infrastrukturprogramm umzusetzen, würde Zeit verschwendet.

Da ist etwas Wahres dran, wenn man an Verkehrsstaus oder die im Schneckentempo fahrenden Züge denkt.

Was also ist der Punkt, sich darüber zu beschwerden, dass der Chadchart-Zug abgefahren ist?

Es geht wie gesagt nicht um den ehemaligen Verkehrsminister, sondern um die politische Polarisierung, die nicht überbrückt werden kann. Das Nationale Strategiekomitee wird es geben, auch ohne Leute wie Chadchart, was bedeutet, dass es ein einseitiges Komitee sein wird. Fähige Köpfe wie Chadchart werden wegen des ein Jahrzehnt alten politischen Konfliktes nicht berücksichtigt.

Über drei Jahre sind seit der Machtergreifung des Militärs vergangen. Langsam sollte klar werden, dass das Land nur mit Kontrolle und Unterdrückung, aber ohne Strategie nicht funktioniert. Es muss ein Kompromiss gefunden werden, die politische Spaltung darf keine Rolle mehr spielen, wenn die fähigsten Köpfe zusammenarbeiten und das Land vorwärts bringen sollen.

Wenn man sich den Fall Chadchart ansieht, dann wird es vielleicht eine oder sogar zwei Generationen brauchen, bevor die Thais die politische Spaltung überwinden können. Es geht nicht nur um das Militär, denn das ganze Land steht auf dem Spiel.

Ähnliche Beiträge