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Das sonnige Paradies

Das sonnige Paradies

Die westlichen Medien, vor allem die englischsprachigen, hatten einen großen Tag, als bekannt wurde, dass die Polizei in Pattaya eine Razzia wegen einer Sex Orgie durchgeführt hatte. Als ob Sex in Pattaya etwas völlig Unbekanntes ist.

Die Berichte konzentrierten sich natürlich darauf, wofür Pattaya in der Welt steht. Dabei dürfen auch schon einmal ein paar Tatsachen verdreht oder falsch wiedergegeben werden. Kein Problem, wenn denn nur das Bild stimmt oder das Image des Seebads entsprechend bunt ausgemalt werden kann.

Das also sollen Nachrichten sein? Zum einen könnte man hergehen und sagen, die Leute sollen erst mal vor ihrer eigenen Türe kehren, zum anderen könnte argumentiert werden, dass das alles längst bekannt und daher nichts Neues ist. Die Auswanderer in Pattaya jedenfalls dürften wieder einmal alle gestaunt haben.

Vor allem die australischen Gazetten sollen sich mit einigen Sensationen hervorgetan haben, die im Grunde gar keine sind. Pattaya sei „am Tag ein sonniges Stück Paradies“, und nachts eine „heruntergekommene Lasterhöhle“, der noch so viele Razzien der thailändischen Regierung nichts anhaben können.

Nun, das hört sich an, als ob die Journalisten daheim in ihren Büros etwas zu oft Kommentare von ehemaligen Tourismusministern glaubten, wie beispielsweise von Kobkarn Wattanavrangkul, die immer wieder gern Unsinn verbreitete, um ihren Job zu rechtfertigen, den sie schließlich verlor. Sie hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass die Regierung der Sexindustrie den Garaus machen kann – falls es in Thailand überhaupt eine Sexindustrie gibt, denn auch das wird von ranghohen Offiziellen immer wieder gern bestritten. Kobkarns Nachfolger ist Weerasak Kowsurat. Der jetzige Tourismusminister hat sich allerdings zu Pattaya noch nicht im Besonderen geäußert.

Die Leute, die solche Nachrichten verbreiten könnten eigentlich ihre Büros oder Arbeitszimmer verlassen, sich ins Flugzeug setzen und selbst einmal nach Pattaya kommen, um zu sehen, wie es wirklich in der Stadt aussieht.

Doch zurück zu dem sensationellen Bericht über die Razzia, bei der ein paar Swinger festgenommen und dann wieder laufen gelassen wurden, weil ihnen nichts vorzuwerfen war.

Auslöser der Razzia soll eine Beschwerde von Anwohnern gewesen sein. Wieso sie sich gestört fühlten, wenn Gäste in ein Hotel gingen bzw. dieses verließen, ist die eine gute Frage. Weshalb die Polizei auf Swinger so empfindlich reagierte, eine andere. Die Polizei begründete die Razzia damit, dass der Ruf Pattayas in der Welt leide. Hätte es aber keine Razzia gegeben, hätte der Ruf auch nicht gelitten, weil weder einheimische noch ausländische Medien etwas zu berichten gehabt hätten.

Dass Polizisten Videos von der Razzia ins Netz stellten, half der Sache ebenfalls nicht. Die „Schwerverbrecher“, alle nur mit einem Handtuch bekleidet, saßen da wie begossene Pudel und konnten gar nicht begreifen, wie ihnen geschah.

Blieb nur der Organisator, ein chinesischer Staatsbürger, dem man vorwerfen konnte, ein Hotel illegal betrieben zu haben. Er könnte der Auslöser der Razzia gewesen sein, so wird spekuliert, weil er womöglich mit ein oder zwei Zahlungen in Verzug war. So jedenfalls die allgemeine Einschätzung.
Ansonsten viel Rauch um nichts, auf den sich aber die Medien – und sicher auch deren Leser – nur zu gern stürzten. Die Schreiber und Leser erheben sich in solchen Fällen nur zu gern über andere und blicken von ihrer hohen moralischen Warte auf die da unten. Aber wie schon erwähnt, sollten einige Leute mal lieber vor ihrer eigenen Tür kehren und Erwachsene in Ruhe lassen, die ihren sexuellen Spielarten nachgehen, bei denen wahrlich niemand zu Schaden kommt.

Zu Schaden kommt nur der sowieso schon ruinierte Ruf von Pattaya, wenn Sensationsblätter wie die britische Sun berichten, dass Briten im mittleren Alter (in anderen Worten „böse weiße Männer“) sich mit Ladyboys und „frisch von der Schule kommenden Jungfrauen“ vergnügen. Dieser Artikel war mit Bildern untermalt, die noch aus dem Vietnamkrieg zu stammen schienen. Abgesehen davon scheinen die gerade aus der Schule gekommenen Jungfrauen ebenfalls schon während des Vietnamkrieges in Pattaya gedient zu haben, sie waren nicht mehr die Frischesten, und die vielen Tätowierungen auf ihrem Rücken sind dann wohl in den Kunststunden in der Schule entstanden.

Die Sun berichtete weiter, dass die Erfahrung mit einer Freundin vor Ort 1.000 Pfund kostet. Bleibt zu hoffen, dass Kosten für die Unterkunft bei diesem Preis schon einberechnet sind.

Wir wissen natürlich alle, dass die Medien die Klicks brauchen. Thailand ist immer ein gutes Thema, wenn es um Sex geht. Und hier soll gar nicht bestritten geben, dass es in Pattaya so einige Probleme gibt. Das HALLO weist immer wieder darauf hin.

Es wäre aber trotzdem wünschenswert, wenn die Medien, auch die thailändischen, einmal etwas Originelles über das Seebad bringen könnten. Das wäre doch mal etwas anderes als die alten Vorurteile ständig neu aufzukochen in der Hoffnung, viele Leser zu haben.

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