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Das Land des Lächelns

Das Land des Lächelns

Es gibt im Laufe eines Monats viele Meldungen, die einem zu denken geben und auch in einer Kolumne aufgegriffen werden könnten, um sie dann näher zu analysieren.

Letzten Monat war das eine Nachricht über zwei junge Frauen, die am Bangkoker Flughafen Don Mueang Blumengirlanden um den Hals chinesischer Touristen hängten. Letztere ließen sich dann mit den Frauen, die in thailändische Kostüme gekleidet waren, fotografieren.
Das ging so lange gut bis das Umhängen der Blumengirlanden gefilmt wurde und das Video seinen Weg auf Facebook fand. Dann rückte die Polizei an.

Den beiden jungen Frauen wurde vorgeworfen, das grandios gute Image der thailändischen Tourismusindustrie beschädigt zu haben. Ihr Verbrechen wurde wie folgt beschrieben: Immer dann, wenn sie einem Touristen eine Girlande um den Hals gehängt hatten, stellten sie sich für das gemeinsame Foto neben diesen und lächelten. Sobald das Foto geschossen worden war, lächelten die Frauen nicht mehr. Sie nahmen eine neue Blumenkette, hängten sie einem Touristen um den Hals, stellten sich neben diesen, es folgte das Lächeln, dann ohne dieses Lächeln der Griff zur nächsten Girlande etc. etc.

Da die Polizei, in diesem Fall die Touristenpolizei unter ihrem Chef Polizeigeneral Surachet Hakpal, Spitzname „Big Joke“ – gemeint ist hier nicht der englische Witz, sondern das thailändische Reisgericht –, offenbar sonst überhaupt nichts zu tun hat, obwohl Big Joke sich auf die Fahnen geschrieben hat, böse Ausländer in Bangkok und anderswo zu schnappen, gingen die Beamten auf die beiden jungen thailändischen Frauen los, die sicherlich gar nicht ahnten, dass sie etwas falsch gemacht hatten. In einer Art und Weise falsch, dass sich die Polizei für sie interessierte. Sie wurden nun nicht nur gezwungen, für die Kameras zu lächeln, sondern sie wurden von der Polizei gezwungen, sich für ihre schändliche Tat – nicht dauerhaft zu lächeln – zu entschuldigen. Die beiden und ihr Arbeitgeber sagten nach der entwürdigenden Prozedur, sie würden ihre Serviceleistung verbessern.

Das Video mit den beiden ging „viral“ wie es so schön auf Neudeutsch heißt. Die Touristenpolizei verlautbarte, das Video sei von einem Reiseleiter gedreht und auch gepostet worden. Da in Thailand wie in vielen anderen Ländern den jeweiligen Boten vorgeworfen wird, schlechte Nachrichten zu verbreiten, scheint es ein Wunder zu sein, dass dem Reiseleiter kein Verfahren angehängt worden ist, weil der das Video postete.

Hier hätte die Polizei sicherlich den einen oder anderen Halbsatz aus dem berüchtigten Computerkriminalitätsgesetz anwenden können. Dann hätte der Reiseleiter erst einmal ein paar Jahre Führungen im Knast machen können.

Die Frauen erklärten, dass sie nicht dauerhaft gelächelt haben, weil sie müde waren und die Temperaturen an diesem Tag sehr hoch. Sie seien von ihrem Arbeitgeber beschäftigt worden, um jeden Tag Blumengirlanden um chinesische Touristenhälse zu hängen.

Da darf man sich schon fragen, in welcher Parallelwelt einige Thais leben, die es doch eigentlich besser wissen müssten, eben weil sie Thais sind.

Das Land des Lächelns

Damit will ich sagen, dass Thais vielleicht nicht ganz so griesgrämig dreinschauen wie die Deutschen, aber manchmal denke ich, dass viel nicht mehr fehlt. In Bangkok wird sowieso nicht gelächelt, das war früher – so vor 30 Jahren – vielleicht einmal anders. In anderen Großstädten auch immer seltener.

Man kann einem Volk ja wohl kaum bescheinigen, dass es immer und überall lächelt, sondern auch hier kommt es auf einzelne Personen an. In anderen Ländern ist das doch auch so. Und wer bezahlt wird, um für ein Foto zu lächeln, der macht sich ganz sicher keines Verbrechens schuldig, wenn er, wie diese beiden unglückseligen Frauen, nicht lächelt, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Wie gesagt, hier kommt es doch auf die jeweiligen Leute an. Da fällt mir ein, dass ich im Family Mart häufig von einer recht griesgrämigen Frau bedient wurde. Sie lächelte nicht, sie schaute immer wie sieben Tage Regenwetter und war kurz davor, unfreundlich zu sein. Nun gut, wenn man mein Gesicht sieht, bricht man vielleicht nicht in Jubelschreie aus, aber das hier war schon etwas übertrieben.

Manchmal hatte sie bessere Tage. Da schaute sie nicht ganz so schlimm, es fiel ihr dennoch schwer, ein Lächeln auf ihre Lippen zu bringen. Aber immerhin war sie an diesen Tagen sehr freundlich.

Irgendwann gab es die Erleuchtung. Ich kam in den Family Mart, und da stand sie an der Kasse. Und neben ihr stand sie gleich noch einmal. Bei dem doppelten Family-Mart-Lottchen handelte es ich um Zwillingsschwestern. Griesgram im Doppelpack, wenn man so will, manchmal mehr, manchmal weniger, aber griesgrämig auf alle Fälle.

Da lobe ich mir doch die Mitarbeiterin im 7-Eleven gegenüber. Sie strahlt mich schon an, wenn ich zur Tür hereinkomme. Sie hat ein wirklich bezauberndes Lächeln, mit dem sie als Modell arbeiten könnte. Für eine Kampagne der thailändischen Tourismusbehörde TAT mit dem Titel „Land des Lächelns“.

Euer
Walter Weiß

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