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Chinesen auf den Philippinen

Chinesen auf den Philippinen

Die Chinesen sind nicht nur in Thailand zahlreich vertreten, sondern eigentlich in allen Ländern Südostasiens. Das führt mitunter zu Spannungen. Ein Beispiel von den Philippinen.

Am 9. Februar drehte die 23 Jahre alte Studentin Zhiang Jaile durch, weil sie in Manila nicht in die Stadtbahn einsteigen durfte. Weil sie etwas zu essen und zu trinken dabei hatte, wurde ihr der Zutritt verweigert. Wütend warf sie dem Polizeibeamten William Cristobal ihren Tofu-Drink ins Gesicht.

Damit begann eine nationale Debatte über wachsende Irritationen bezüglich chinesischer Bürger, die das Land überschwemmen. Die meisten Chinesen haben mit der Glücksspielindustrie zu tun.

Zhiang entschuldigte sich nach dem Aufruhr tränenreich. Doch das Bild des Beamten mit dem Tofu-Drink im Gesicht machte Online die Runde, und führte zu einem Aufschrei. Viele Filipinos sahen den Vorfall als Arroganz gegenüber ihrem Land an. Womöglich hat das auch Auswirkungen auf die Wahlen, die am 13. Mai stattfinden.

„Werft diesen Abschaum vom chinesischen Festland aus dem Land, aber durchsucht vorher noch ihr Gepäck, vielleicht haben die was geklaut“, schrieb ein irritierter Leser auf einer Nachrichten-Website.

Auslöser war die Nachricht, dass ein Chinese auf einem Flug mit AirAsia einer Stewardess eine Tasse heißes Wasser über die Brust geschüttet hatte. Dann gab es ein Bild von einer Frau, die ihrem Kind erlaubte, an einem öffentlichen Platz den Darm zu entleeren. Wie in Hongkong, so werden Festland-Chinesen auf den Philippinen oft als unhöflich angesehen, weil sie sich nicht an lokale Gepflogenheiten anpassen wollen. Sie stellen sich nicht an und schubsen Einheimische aus dem Weg.
Doch zur selben Zeit, und das ist die andere Seite der Medaille, profitiert die Wirtschaft von der 18-Milliarden-Dollar-Glücksspielindustrie in der Bucht von Manila.

Es gibt ein paar Gründe, warum man hier Vorsicht walten lassen sollte. Die chinesische Regierung war in Bezug auf Glücksspiel noch nie zu begeistern. Dass auf Computern Glücksspiele gespielt werden können, führte zweifellos dazu, dass Tausende von Spielsüchtigen herangezogen wurden, die ihr letztes Hemd verspielen würden. Die Casinos auf den Philippinen mögen chinesische Touristen anziehen, sicherlich aber auch kleine chinesische Beamte, die das Budget ihrer Büros verspielen, weil das in den Casinos von Macao nicht mehr geht.

Zwischen 340.000 und 400.000 Chinesen sollen inzwischen auf den Philippinen arbeiten. Möglich wurde dies, nachdem Präsident Rodrigo S. Duterte die Glücksspielgesetze des Landes änderte. Er erlaubte, dass Unternehmen Internet-Casinos für Spieler im Ausland eröffneten. Niemand weiß indes genau, wie viel Firmen oder Mitarbeiter es gibt. Die Arbeitsbehörde teilte mit, 52.000 Chinesen hätten eine Arbeitserlaubnis erhalten. Doch Kritiker sagen, dass diese Zahl nichts mit der Wirklichkeit zu tun habe. Duterte selbst sagt, dass sich wohl um die 300.000 Chinesen illegal im Land befinden.

Falls das stimmt, stellen Chinesen die größte Migrantengruppe. Auf Platz zwei kommen Südkoreaner mit 90.000 Personen, von denen gesagt wird, sie sehen das Land als ihr Miami Beach an.

Fast drei Millionen chinesische Touristen kamen in den letzten beiden Jahren auf die Philippinen, das Wachstum beträgt pro Jahr 30 Prozent. Wie viele Manila verlassen, ist nicht bekannt, weil die meisten wohl in den Casinos im Bezirk Pasay enden dürften, in denen immer Tausende chinesischer Glücksspieler anzutreffen sind.

Die vielen Chinesen ließen ganz neue Gewerbe entstehen. Chinesische Kredithaie treiben ebenso ihr Unwesen wie chinesische Entführer, die sich darauf spezialisiert haben, Landsleute zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Manchmal bekommen sie Hilfe von korrupten Polizeibeamten.

Manila ist laut einer mit den Verhältnissen vertrauten Quelle inzwischen als „Macau von Südostasien“ bekannt. Hier ist es Chinesen möglich, sich der strikten staatlichen Kontrolle in ihrem Land bzw. in Macau zu entziehen.

„Zur Dynamik der Situation gehört, dass hier alle gemeinsam haben, sich der Kontrolle vom chinesischen Festland entziehen zu wollen“, sagte eine Quelle, die bei einem Risiko-Management-Unternehmen arbeitet. „Wenn man das sieht, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass dies ein Aspekt von Chinas Politik ist. Beim Glücksspiel geht es darum, der staatlichen Kontrolle zu entkommen.“

Der Zustrom ausländischer Arbeitnehmer begann 2016, als Duterte 54 Glücksspiel-Lizenzen ausgab, genannt Philippine Offshore Gaming Operator (POGO).

Mit diesen Lizenzen war es möglich, Internet-Casinos für Online-Glücksspieler aufzubauen. Das Resultat war, dass das Land von chinesischen Geschäftsleuten überschwemmt wurde, die Dutzende Internetfirmen oder Callcenter-Unternehmen gründeten. Weil die Mitarbeiter wegen der chinesischen Kundschaft Chinesisch sprechen müssen, kommen die Angestellten alle aus China.

Das Resultat war eine Preisexplosion auf dem Immobilienmarkt. Die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen schossen in die Höhe. Wegen der regen Bautätigkeit scheint das Stadtzentrum auch nicht mehr der Geschäftsbezirk Makati zu sein, sondern der Glücksspielbezirk Pasay. Firmen mit einer POGO-Lizenz breiten sich weiter aus: Nach Manila Bay gehen sie nun in den Bezirk Bonifacio und weiter südlich in den Bezirk Alabang.

Die vielen Chinesen haben Manila möglicherweise vor einem Platzen der Immobilienblase bewahrt, sagte der in Manila arbeitende Joey Bondoc, Forschungsmanager für Colliers International, einer kanadischen Immobilien- und Investmentfirma. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen laut Colliers durchschnittlich um 30 Prozent, auch die Mieten schießen in die Höhe. In vielen Fällen so Bondoc, zahlen Chinesen für die Eigentumswohnungen in bar, und manchmal drängen sie Filipinos der Mittelklasse aus dem Markt.

„2017 waren die Glücksspielzentren der Motor für den Gewerbeflächensektor“, sagte Bondoc. „Wenn es das nicht gegeben hätte, wäre der Immobilienmarkt in Manila zusammengebrochen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen für den Glücksspielsektor rettete den Markt für Gewerbeflächen.“

Seit 2016 gingen die Angebote für leer stehende Gewerbe- und Büroflächen um 3,5 bis fünf Prozent zurück. So soll es laut Prognosen noch bis 2021 bleiben.

Beitragsquelle : https://www.asiasentinel.com/econ-business/chinese-offshore-gaming-drives-filipino-economy-causes-tensions/

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