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China ganz cool

China ganz cool

Einst waren die chinesische Kultur und die chinesischen Gebräuche in Bangkok alles andere als cool. Das hat sich ins Gegenteil verkehrt, je chinesischer, umso besser.

Vor 20 oder 30 Jahren wurde auf Somchai Kwangtonpanich hinabgeblickt, weil er chinesisch sprach und chinesische Traditionen sein tägliches Leben bestimmten.

Die Leute glaubten, ich führte ein lächerliches Leben“, sagte der Mann, der aus dem Bangkoker Bezirk Yaowarat stammt und dort in dritter Generation lebt. Er ist Sohn von Seilhändlern, er wuchs in der chinesischen Nachbarschaft Sampheng auf, jetzt ist er Mitte 50.

Somchai wollte das chinesische Erbe aber nicht vergessen und jetzt, mit den Jahren, ist er als „Chinatown-Guru“ bekannt. Er ist ein Amateurhistoriker, der Vorträge hält, Museen berät, und er ist Ansprechpartner, wenn es Fragen zur sino-thailändischen Geschichte in Bangkok gibt.

Heutzutage sind chinesische Traditionen und Kultur, die einst als langweilig und altmodisch galten, modern und eben „cool“. Eines der besten Beispiele könnte Lhong 1919 sein, die neue Sehenswürdigkeit am Ufer des Chao Phraya River, ein Hotspot für Hipster, Inbegriff für chinesischen Schick und schwer in Mode.

Bei Lhong 1919 handelt es sich um alte chinesische Lagerhäuser die renoviert und zu einer Touristenattraktion umgebaut wurden.

Somchai meint, dass China wieder in Mode ist, weil das Land innerhalb der letzten Jahrzehnte radikal modernisiert wurde. Plötzlich war es gar nicht mehr so altmodisch, ein Chinese zu sein, sagte er.

Somchai berichtete, dass er von dem chinesischen Trend dennoch überrascht wurde. Die Bars mit chinesischen Themen, die so „hip“ sind, die Galerien, die Cafés, die es jetzt an der Charoen Krung und in Talad Noi gibt, gehen ganz anders an das sino-thailändische Kulturerbe heran und haben mit Somchais Traditionen nicht sehr viel zu tun.
Neben Lhong 1919 gibt es beispielsweise das Restaurant FooJohn oder das Café Ba Hao an der Charoen Krung, alle öffneten letztes Jahr – dies sind nur ein paar wenige Beispiele der Obsession die die Bangkoker mit dem chinesischen Retro-Look haben.

Woran liegt das? Das sei der Wong-Kar-Wai-Effekt, wie das Wasana Wongsurawat nennt. Das Spezialgebiet der Historikerin ist das moderne China und die chinesische Kultur im Ausland. Ihrer Meinung nach begann die Nostalgie mit Filmemachern in Hongkong, als die Kronkolonie Ende der 90er Jahre an China fiel.

Zu dieser Zeit waren viele Hongkonger im Zweifel, welche Auswirkungen die Rückgabe an China haben würde, es entstand die Nostalgie der „kolonialen Modernität“, die für kosmopolitische Eleganz stand. Insbesondere der Hongkonger Regisseur Wong Kar Wai konnte diese Periode exzellent in seinen Filmen einfangen.

Andere Regisseure dagegen verließen die Kronkolonie wie beispielsweise John Woo, der Mitte der 90er Jahre in die USA ging.
Wong Kar Wais berühmtester Film dürfte „The Mood For Love“ sein, hier erschuf er ein „altes Hongkong“, das es so nicht mehr gab. Ein großer Teil der Dreharbeiten fand in Bangkok statt, in dunklen Sois und heruntergekommenen Geschäften der Charoen Krung Road. Dieser Film war und ist immer noch Vorbild für viele, die in Bangkoks Chinatown ein Geschäfft eröffnen möchten und streben danach, die Dekorationen des Films nachzubauen.

Die Faszination für koloniale Modernität geht über Hongkong hinaus“, sagte Wasana. „Es geht auch um kosmopolitische Städte vor dem Krieg mit Japan wie Schanghai, damals gab es dort Jazzclubs, Tabak- und Opiumhöhlen. Im jetzigen Bangkok gibt es Referenzen an diese Zeit, zum Beispiel mit dem Shanghai Mansion Hotel an der Yaowarat Road und der Maggie Choo’s Bar, beide schwimmen auf der chinesischen Retrowelle mit.

Auch wenn Thailand nie eine Kolonie war, so meinte Wasana, war die thailändische Führung unter König Chulalongkorn bestrebt, das Land im Sinne westlicher Ideen in ein modernes Land zu verwandeln, was einen lang anhaltenden Einfluss auf die thailändische Elite und Mittelklasse mit sich brachte.

Ironischweise wurde dabei das chinesische Erbe in Bangkok nicht beachtet, was jetzt aber als massive Welle an die Oberfläche kommt – zeitgleich mit den vielen chinesischen Touristen, die ihrerseits eine Welle in Thailand sind.

Vielleicht ist das die Art und Weise, wie sich Thais mit chinesischer Abstammung von den Touristengruppen abheben wollen“, sagte Wasana. „Diese Wiederbelebung des reichen Kulturerbes steht in starkem Kontrast zu dem Image, das die chinesischen Neureichen haben.

Doch abgesehen von ein paar Beispielen – namentlich Lhong 1919 oder Ba Hao, hier wird betont, dass die Eigentümer chinesische Wurzeln haben – bestreiten andere Geschäftsleute, die Ähnliches machen, dass sie auf der Welle „China ist cool“ mit reiten.
Romain Dupuy, der sowohl FooJohn als auch die Soul Bar und Cho Why in der Nachbarschaft der Charoen Krung betreibt, sagte, er habe sich in die alten Shophäuser im chinesischen Stil verliebt und baute sie in erfolgreiche Geschäftsbetriebe um.
Diese Orte haben eine klare Geschichte und Identität, die ich mochte“, sagte Dupuy. In einer Zeit, in der Marken und Geschäfte einen distinktiven Charakter haben und eine eigene Geschichte erzählen müssen, sind die alten Viertel Bangkoks eine Nische mit einem reichen Kulturerbe.“

Aber warum sind chinesische Shophäuser beliebter als zum Beispiel traditionelle thailändische Holzhäuser? Der Amerikaner Jim Thompson versuchte dem abzuhelfen und hatte Erfolg, indem er in der Nachkriegszeit die Holzhäuser im thailändischen Stil förderte. Jim Thompson’s Haus ist eine entsprechen berühmte Touristenattraktion.

Laut Wasana ist die chinesische Kultur aber internationaler, weil es so viele Auslandschinesen gibt.

Wenn ausländische Besucher die Shophäuser der Charoen Krung sehen, dann denken sie an ähnliche Viertel in Singapur, Penang oder auch in China wie in Schanghai“ argumentierte sie. „Das ist ihre Vorstellung, wie es im Fernen Osten aussehen müsste.

Renovierte Shophäuser sind nicht unbedingt ein neuer Trend. So wurden Häuser in Penang oder in Malacca restauriert und wurden Boutique-Hotels und Restaurants.

Mit Soul Bar und Cho Why wird Dupuy als eine Art Pionier der Szene an der Bangkoker Charoen Krung angesehen. Er stellte sicher, dass bei der Renovierung der Shophäuser die originale Architektur beibehalten und originale dekorative Elemente erhalten blieben, dazu gehören Beleuchtung, Fensterbretter und Holztheken.

Es erwärmt mein Herz, wenn alteingesessene Anwohner der Charoen Krung das hier sehen und die Möbel erkennen, die ich behalten habe“, sagte er.

In den letzten Jahren haben viele versucht, Dupuys Erfolg zu kopieren – dazu gehören auch die Abkömmlinge thai-chinesischer Familien, die aus den Shophäusern ausgezogen waren, um sich woanders niederzulassen.

Für Dupuy ist es ein gutes Zeichen, das original chinesische Familien zu ihrem Kulturerbe zurückgefunden haben. Da die Mieten steigen, wird eine Aufwertung des ganzen Viertels nicht lange auf sich warten lassen.

Die Einwohner von Charoen Krung schließen ihre Läden, weil sie in Rente gehen oder sie ziehen um, weil es ihnen zu teuer wird. Das Viertel dürfte ein „kreativer Bezirk“ werden, wie die Regierung über die Behörde Thailand Creative Design Centre (TCDC) ankündigte. Dupuy und andere fürchten, dass die Charoen Krung dabei ihre Ursprünglichkeit verlieren könnte.

Viele Geschäfte der Charoen Krung haben einen Retro-Look, haben aber mit der ursprünglichen Kultur des Viertels nichts zu tun“, sagte Hobby-Historiker Somchai. „Ich habe nichts gegen einen kreativen Bezirk, aber die Geschichte sollte damit nicht ausradiert werden.

Dupuy arbeitet, da er pragmatisch ist, an Möglichkeiten, wie der Geist der Charoen Krung erhalten bleiben kann.
Wenn die alten Shophäuser renoviert und neu eingerichtet werden, seien das nur leere Schalen, weil die ursprünglichen Bewohner fortgezogen seien, sagte er. „Wir sollten uns stattdessen darauf konzentrieren, dass wir eigene Wege finden, wie die Gemeinde und deren Gebräuche im heutigen wirtschaftlichen Kontext relevant bleiben können.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/travel/in-thailand/1413014/cool-china

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