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Burma und die Rohingya

Burma und die Rohingya

Was sich derzeit in Burma abspielt, scheint für die deutschen Medien nur ein Randthema zu sein. Nun gut, während des Wahlkampfes, der eigentlich keiner war, und das damit verbundene Sperrfeuer gegen eine ungeliebte Partei, gab es vielleicht nicht viel Platz für anderes, auch nicht in den Online-Ausgaben.

Hier nahmen im Auslandsteil Wirbelstürme einen prominenten Platz ein. Hier wurde aber auch einseitig berichtet, denn die deutschen Medien erwähnten kaum oder gar nicht die verheerenden Überschwemmungen in Asien, vor allem in Indien und Sri Lanka.

Überhaupt scheint Asien nicht auf der Prioritätenliste deutscher Medien zu stehen.

Was also ist in Burma los?

Das deutsche Auswärtige Amt teilt in seinen Reisehinweisen mit: „Es kommt im Rakhine State immer wieder zu ethnisch motivierten Zusammenstößen.“

Das ist alles.

In thailändischen Medien stand auch nicht viel. Hier gab es lediglich Berichte, dass man sich auf einen neuen möglichen Ansturm der Rohingya vorbereite. An den Küsten soll die Marine stärker patrouillieren, im Landesinneren wolle man mehr Kontrollpunkte einrichten.

Vizepremierminister General Prawit Wongewhfaeje hatte sich mit einem burmesischen General getroffen und danach gesagt, man solle die Rohingya nicht Rohingya nennen, sondern Bengalen.

Wie kommt das?

Das buddhistische Burma sieht die moslemischen Rohingya nicht als Burmesen an, daher werden sie in Anlehnung an das moslemische Bangladesch als Bengalen bezeichnet. In der offiziellen Lesart schwingt mit, dass die Rohingya keine Burmesen sind, sondern ehemals aus Bangladesch stammen.

Das ist tatsächlich richtig. Denn den Volksstamm Rohingya gibt es in Wahrheit nicht. Den Begriff gibt es erst seit den 1960er Jahren. Moslemische Terrorgruppen, die gegen die Zentralregierung Burmas kämpften, nannten sich „Rohingya“. Daher stammt der Name, den die Mainstream-Medien in den 1990er Jahren als Name für die islamischen Siedler im Nordwesten Burmas in der Nähe der Grenze zu Bangladesch benutzen.

Die „Rohingya“ sind ein indo-europäisches Volk und sprechen eine indo-germanische Sprache. Sie sind nicht verwandt mit den Sino-Tibetern Burmas.

Die ersten Bengalen kamen erst Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Ganges-Delta, dem heutigen Bangladesch, nach Burma.

Nach der Unabhängigkeit Burmas von Großbritannien 1948 begehrten die Moslems immer wieder auf, weil sie die Unabhängigkeit von Burma forderten.

Das ließ Burma nicht zu, immer wieder kam es zu Militäraktionen gegen die aufständischen Moslems im Nordwesten.

Was im burmesischen Bundesstaat Rakhine passierte, ist demnach den Ereignissen in den südlichen Unruheprovinzen Thailands nicht ganz unähnlich.

Der Unterschied ist, dass sich thailändische Separatisten darauf berufen, dass die Region früher nicht zu Thailand, sondern zu einem islamischen Sultanat gehörte.

Die Rohingya berufen sich darauf, dass sie schon immer in Burma siedelten. Das ist falsch. Erst seit gut 100 Jahren leben sie in der Region, dennoch meinen sie, es sei „ihr Land“ und nicht burmesisches Territorium.

Die Burmesen griffen vielleicht auch deshalb von vorneherein härter gegen die Moslems durch. Sie sind laut Gesetzgebung keine burmesischen Staatsbürger und werden als illegale Einwanderer aus Bengalen angesehen.

Anfang September des Jahres rief die indonesische „Islamische Verteidigungsfront“ zum Heiligen Krieg gegen die burmesische Regierung auf.

Burma zog die „Notbremse“, anders kann es wohl nicht ausgedrückt werden.

Das soll keineswegs das Vorgehen der Burmesen rechtfertigen, deren Handlungen als Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden können.

Anfang September schlossen sich burmesisches Militär und Polizei mit Milizen und buddhistischen Zivilisten zusammen und begannen, gegen die Rohingya gewalttätig vorzugehen. Sie ermordeten die Menschen, vertrieben sie aus ihren Dörfern und zündeten sie an. Auf Satellitenbildern ist erkennbar, wie ganze Siedlungen in Schutt und Asche gelegt wurden.

Die Rohingya flohen zu Hunderttausenden nach Bangladesch.

Burma streitet indes alles ab, allen voran die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Sie hatte schon vorher die oben beschriebene offizielle Lesart verkündet und sagte, in Burma gäbe es keine Rohingya.

Die Moslems verließen freiwillig ihre Dörfer und hätten diese auch selbst in Brand gesteckt.

Einige Buddhisten hatten sich als Rohingya verkleidet und Hütten angezündet. Diese plumpen Fälschungen wurden jedoch sogleich enttarnt.

Der BBC-Korrespondent Jonathan Head befand sich in Burma, durfte jedoch nicht individuell durch den Staat Rakhine reisen. Es befanden sich ständig Aufpasser bei ihm, die ihm auch vorschrieben, wohin er fahren durfte und wohin nicht. Dennoch sah er mit eigenen Augen, wie Männer, die sich auf Befragung als Buddhisten ausgaben, ein Dorf nieder brannten.

Auf das schon überbevölkerte Bangladesch rollte eine Flüchtlingswelle zu. Es ist nicht auszuschließen, dass viele Rohingya wie schon zuvor in das moslemische Malaysia wollen. Auf dem Weg dorthin müssen sie jedoch Thailand passieren.

Thailand ist nicht gerade das gastfreundlichste Land, was Asylanten betrifft. Kurzen Prozess machte es mit den Rohingya während der Regierungszeit von Premierminister Abhisit Vejjajiva.

Rohingya, die mit ihren Booten der thailändischen Küste zu nahe kamen, wurden von der Marine auf die offene See geschleppt und ihrem Schicksal überlassen. Thailand bestritt das.

Euer

Walter Weiß

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