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Bringt mir den Kopf von Sorrayuth

Bringt mir den Kopf von Sorrayuth

Bringt mir den Kopf von Sorrayuth, verlangte Kong Rithdee in einer Kolumne der Bangkok Post. Bringt mir den abgetrennten Kopf des Nachrichtenmoderators und Bestechers, Interviewers und Bösewichts Nr. 1. Der Held wurde ein Antiheld, und der Kopf von Sorrayuth Suthassanachinda wurde abgeschlagen und auf einem Silbertablett serviert, nachdem ihn der kollektive Zorn der Korruptionshasser traf und ihn von seinem Moderatorenstuhl vertrieb. Korruption muss bekämpft werden, Betrüger müssen beim Namen genannt und bloßgestellt werden. Ja, wir haben ihn geschlagen, wir schlagen die Korruption! Und unsere Waffen in diesem Krieg sind ebenso beunruhigend wie Hass, Polemik und schnelle, befriedigende Wut.

Sollte Sorrayuth gehen? Gewiss doch. Das Gericht befand den Moderator und seine Firma für schuldig, vor rund zehn Jahren über 138 Millionen Baht an Werbeeinnahmen von Kanal 9 unterschlagen und eine Mitarbeiterin bestochen zu haben, damit sie verräterische Dokumente verschwinden lässt. Als Medienperson hat seine Tat etwas mit Integrität zu tun. Als Tacheles redender Interviewer, der mit Politikern und Beamten in seiner Fernsehsendung sprach, disqualifizieren ihn seine Taten für seine Rolle als TV-Gesprächspartner. Es gab keinen Zweifel, dass er zurücktreten musste, was er dann auch tat, nachdem sich Verachtung und Zorn von Medienverbänden und Moralwächtern über ihn ergossen. Eine Kritikerin beschrieb die Angelegenheit als „moralischen Verfall“ – so als ob sie neu in Thailand wäre und nicht wüsste, wie das Land funktioniert.
Bringt mir den Kopf von Sorrayuth. Und bringt mir den Kopf der Eltern, die die Schulleitung bestechen, damit die kleinen Kinderchen zur Schule dürfen (bald beginnt das neue Schuljahr, also nicht vergessen zu „spenden“). Bringt mir den Kopf der Experten, die den Bombendetektor GT200 gekauft haben, den Heiligen Gral der militärischen Ausrüstung. Bringt mir die Köpfe der Milliardäre, die vor der jährlichen Steuererklärung ihre Buchführung frisieren. Bringt mir auch die Köpfe der Bürokraten, die ihre Söhne und Ehefrauen als Berater einstellen. Wenn noch Platz ist, bringt mir die Köpfe von anderen Journalisten, die ebenfalls von Gerichten für schuldig befunden wurden und die immer noch Nachrichten machen. Bringt mir doch einfach alle Köpfe und lasst uns zur kopflosen Nation werden, denn das ist unser Schicksal, so präsent und unentschuldbar.
Lassen Sie uns keine heuchlerische Debatte beginnen, denn Verbrechen können nicht gegeneinander aufgerechnet werden. (Sorrayuth sollte zu Hause bleiben und sich den Oscar prämierten Film Spotlight ansehen, in dem es um außergewöhnlichen Journalismus geht. Oder noch besser, er lädt die aufrechten Journalisten zu sich ein.)
Was mich fasziniert, ist die Intensität der Wut, die auf Sorrayuth projiziert wird. Warum wird er so gehasst? Das ist eine verwirrende Ironie, denn er war einmal der beliebteste Nachrichtenmoderator des Landes, seine Stimme war über zehn Jahre lang jeden Morgen zu hören, ob wir das nun wollten oder nicht. Abgesehen von den Online-Kritiken und den harten Worten von Medienverbänden war einer der hartnäckigsten Angreifer die Anti-Korruptionsorganisation Thailand (ACT), die einen eisernen Kreuzzug gegen das Böse führt, das unser Land plagt, außer wenn das Böse nicht so, nun, böse ist. Letztes Jahr als das ACT ein Museum mit Korruptionsskandalen eröffnete, war eine surreale Ausstellung über Bestechung zu sehen. Skulpturen wie aus der Sowjetunion wurden neben interaktiven Websites gezeigt, und dort wurde auch schon Sorrayuths Fall erwähnt, obwohl er noch gar nicht von einem Gericht verurteilt worden war. Das Museum hatte damals bereits über ihn und andere „geurteilt“.

Zum favorisierten Kriegsgeschrei der Anti-Korruptionskämpfer gehört: „Betrüger dürfen keinen Platz zum Stehen haben.“ Na klar, dann dürften wir alle nicht mehr stehen. Korruption wird als die größte Hürde in unserer Entwicklung genannt, und ein Weg, sie zu bekämpfen ist, demokratische Institutionen zu verankern und Werkzeuge zu stärken, die die Beziehungen zwischen der Privatwirtschaft und dem Staat steuern. (Sorrayuth machte sich schuldig, Schmiergelder an eine Angestellte im öffentlichen Dienst gezahlt zu haben und wer weiß, an wen noch.) Korruption, um es kurz zu machen, muss mit einem System bekämpft werden, mit einem Mob und politischer Wut.
Gegen das System, das immer noch erlaubt, Polizisten, Bürokraten, Schulen und Politiker zu schmieren, damit es besser läuft, muss vorgegangen werden. Das System erlaubt Beamten, „Wechselgeld“ einzustecken, und das beeinflusst unser Denken, dass alles geregelt werden kann, wenn man die richtigen Leute kennt.

Sorrayuths Fernsehsendung ist bekannt für den Teil rong tuk, bei dem Zuschauer an den Sender schreiben können, um sich über Zustände zu beschweren, die in der Regeln von Behörden nicht beachtet werden. Man glaubt, dass, falls eine dieser Geschichten in der Sendung gezeigt wird, sich womöglich doch etwas ändert, weil dann ein Beamter hilft. Warum schreiben diese Leute nicht an die Polizei oder zuständige Beamte? Nun, vielleicht kennen sie nicht die „richtige Person“, die für sie Probleme lösen kann. Also ja, bringt uns den Kopf von Sorrayuth, und wir können sicher sein, dass unsere Gesellschaft jetzt sauber und korruptionsfrei ist.

Kolumnist Nopporn Wonganan hatte noch etwas hinzuzufügen. Er berichtete über den Fall Sondhi Limthongkul, eines der Gründungsmitglieder der Allianz für Demokratie (PAD) und Anführer der Gelbhemden und Gründer der Manager Media Group. Sondhi wurde wegen Urkundenfälschung und Betrug zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Der Medientycoon, der Manager Media zu dem größten Medienkonzern des Landes ausbaute, legte sowohl gegen das erst- als auch das zweitinstanzliche Urteil Berufung ein, hinterlegte eine Kaution von 20 Millionen Baht und wartet auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs, gegen das kein Rechtsmittel mehr möglich sein wird.

2005 benutzte Sondhis seinen Satellitenkanal ASTV, um Stimmung gegen seinen ehemaligen Freund Thaksin Shinawatra zu machen. Sondhi wurde Anführer der PAD, was schließlich zum Militärputsch im September 2006 führte, mit dem Thaksin gestürzt wurde. Als Thaksins Nachfolgepartei die Wahlen gewann, ließ Sondhi durch seine PAD im November 2008 mehrere Flughäfen besetzen. Sondhi wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er Thaksin verleumdet hatte, und gegen ihn läuft wegen der Flughafenbesetzung ein Ermittlungsverfahren aufgrund einer terroristischen Straftat.

Trotz dieser noch anhängigen Ermittlungen und Verfahren verschwand Sondhi nie aus dem Rampenlicht, seien es politische Veranstaltungen, Reden oder Fernsehinterviews.
Keine Privatperson und keine Organisation, auch keine Medienverbände, verlangten von ihm jemals, seine öffentliche Rolle aufzugeben.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/886684/taking-down-sorrayuth-no-graft-panacea
http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/884768/outcry-over-sorrayuth-double-standards

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