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Blockchain & Bitcoin in Thailand: ICO – Der Erwerb von neuen Münzen

Blockchain & Bitcoin in Thailand: ICO – Der Erwerb von neuen Münzen

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Von Dr. Ulrich Eder

Der Verkauf selbstgeprägter Münzen ist eine interessante Form der Unternehmensfinanzierung. Es ist eine Investition mit höchstmöglichem Risiko, aber auch erstaunlichen Gewinnmöglichkeiten, wenn es richtig gemacht wird.

Die Erstplatzierung von Kryptowährungen

Die Abkürzung ICO steht für den englischen Begriff „Initial Coin Offering“. Es handelt sich um den Verkauf von selbst geschaffenen digitalen Münzen direkt vom Hersteller. Genau genommen sind dies keine Münzen („Coin“) sondern Wertmarken („Token“), deren Technologie auf einer der bekannten Kryptowährungen (in der Regel Ethereum) beruht.

Die Idee, seine eigenen Münzen selbst ohne großen Aufwand zu prägen und für Millionenbeträge im Internet zu veräußern, klingt etwas abenteuerlich. Da verwundert es nicht, wenn 90 Prozent derartiger ICO-Angebote sich im Nachhinein tatsächlich als Abenteuer herausstellen, das böse endet.

Dennoch gilt ein ICO international als probate Methode, in kurzer Zeit mit geringem Aufwand einen großen Finanzbetrag einzunehmen. Man benötigt nur eine Webseite, eine „Telegram“-Gruppe und ein „Whitepaper“, welche das Geschäftsmodell erläutern. Mit erfolgversprechend klingenden Geschäftsideen sind somit durchaus zehn, zwanzig oder hundert Millionen Euro einzusammeln.

Der Wert hinter der Münze

Welches Geschäft steht nun hinter der Erstplatzierung von digitalen Münzen? Prinzipiell gibt es hier keine Begrenzung. Auch traditionelle Geschäftsideen sind münztauglich. Mit einem ICO kann eine seefähige Yacht angeschafft werden, die dann im Chartergeschäft Geld verdient. Es kann ein Hotel gebaut werden und man könnte mit einem ICO sogar eine Anwaltskanzlei finanzieren.

Eine andere Frage ist, was der Investor mit den erworbenen Münzen anstellen kann. Hierbei lassen sich grob vier Möglichkeiten unterscheiden: Es kann sich um eine neue Kryptowährung handeln, die dem Bitcoin Konkurrenz machen soll. Die Münze kann auch ein Stück aus der realen Welt verkörpern, also ein Grundstücksteil oder ein Stück von der Motoryacht.

Als drittes kann die Münze eine Dienstleistung ermöglichen. Dies kann eine Hotelübernachtung beim Hotel-ICO sein, oder eine Dampferfahrt mit der Yacht. Letztlich kann die Münze den Charakter einer geschäftlichen Beteiligung haben. Je nach Einordnung in diese vier Gruppen gibt es unterschiedliche rechtliche Anforderungen.

Spiel ohne Grenzen mit selbst geschaffenen Regeln

Traditionelle Methoden, an den allgemeinen Kapitalmärkten Gelder einzunehmen, sind einerseits der Börsengang und andererseits die Nutzung von Unternehmensanleihen. Der Börsengang, im Englischen „Initial Public Offering“, war auch der Namenspate für den ICO als Stiefbruder des IPO.

Für die herkömmlichen Arten der Kapitalmarktsfinanzierung gibt es umfangreiche gesetzliche Vorgaben. Derartige Vorhaben bedürfen der vorherigen staatlichen Genehmigung, werden genau kontrolliert und sind nur in engem Rahmen zulässig. Dies macht sie nicht nur sicherer, sondern auch schwerfälliger.

Ein derartiges Regelwerk gibt es zum ICO nicht, beziehungsweise nicht überall. Der digitale Charakter der Münzen macht es möglich, sich den leichtesten Weg auszusuchen und das ICO in dem Land durchzuführen, wo dies am einfachsten, schnellsten und vorteilhaftesten möglich ist.

Das weiße Papier

In einer Welt, in der der Bürger vom Staat an der Hand gehalten wird und vor jeder Fehlentscheidung geschützt werden soll, ist der ICO eine neue Erfahrung. Der private Investor muss hier selbstverantwortlich entscheiden, ob die verfügbaren Informationen hinreichend sind, um die eigene Investition zu rechtfertigen. Auf staatliche Fürsorge sollte er hierbei nicht vertrauen.

Alle verfügbaren Informationen zum Investitionsprojekt ergeben sich aus einem Grundlagenpapier, das als „Whitepaper“ die wesentliche Entscheidungsgrundlage sein sollte. Alles was im Papier fehlt oder unklar ist, sollte zu Lasten der Investitionsentscheidung ausgelegt werden. Wenn etwas ungeklärt bleibt, sollte man schlicht die Finger vom Projekt lassen.

Das Schreiben eines Whitepapers ist nichts für Ungeübte. Das Lesen aber auch nicht. Die hinter Bitcoin stehende Blockchain-Technologie ermöglicht revolutionäre Neuheiten, und wer hier im Rahmen eines ICO einsteigt, kann mit kleinen Münzen große und größte Gewinne erzielen.

Die neue Rechtslagein Thailand

Thailand hat zum 13. Mai 2018 strenge Regularien für ICO-Verfahren eingeführt, die spätestens nach einer Übergangsfrist von 90 Tagen Geltung haben. Hierdurch werden einerseits Missbräuche einer bisher ungeregelten Finanzierungsmöglichkeit eingeschränkt. Zum anderen wer- den die thailändischen Innovationskräfte gedrosselt und möglicherweise erdrosselt.

Die Auseinandersetzung um einen frei zugänglichen ICO ist ein Kampf um die Blockchain und damit ein Wettbewerb um die technologische Zukunft. Was erfolgreiche Länder wie die Schweiz und Singapur als Wachstumsmotor aktiv fördern, sollte Thailand nicht im Keim zertreten und ersticken.

Die richtige grenzüberschreitende Strukturierung ermöglicht auch nach neuer Rechtslage, einen ICO durchzuführen oder sich hieran zu beteiligen. Wenn dies dann nicht nach thailändischem Recht, sondern im Ausland erfolgt, gehen die thailändischen Regularien ins Leere. Wer hierbei der eigentliche Verlierer ist, wird die Zukunft zeigen.

Dies ist die dritte Veröffentlichung der Reihe „Blockchain & Bitcoin in Thailand“. Die Beitragsserie behandelt kaufmännische, rechtliche sowie steuerliche Fragestellungen und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung da.

Für Nachfragen steht der Autor Herr Dr. Ulrich Eder gerne zur Verfügung:
Tel. 0066 (0) 23021410
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