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Berlin oder Pattaya

Berlin oder Pattaya

In der letzten HALLO-Ausgabe beschwerte sich der Leser Timo Erler über eine zu kritische Berichterstattung über Pattaya. Er zählte all die schönen Seiten auf, die Pattaya zu bieten hat. Das gefiel HALLO-Leser Frank Kaisler offensichtlich nicht, denn er schrieb daraufhin einen Leserbrief und merkte mit ironischem Unterton einige Dinge an, die Herr Erler bei seiner Aufzählung der paradiesischen Gegebenheiten im Seebad leider vergessen hatte.

Das Thema soll hier nicht weiter vertieft werden. Mir wurde aber von einer Freundin ein Artikel zugeleitet, in dem spöttisch darüber berichtet wird, dass die deutsche Hauptstadt, so wörtlich, „ein Irrenhaus“ sei und das sich das besser schleunigst ändern sollte.

Bei Lesen dieses Artikels in der Huffington Post kam ich jedoch nicht umhin, sofort an Pattaya zu denken, auch wenn der Autor Berlin mit Moskau verglich. Hatte sie mir den aus diesem Grunde zugeleitet? Vielleicht. Da werden Vorgänge beschrieben, die mir nur allzu bekannt vorkommen, und gegen Ende des Artikels tauschte ich einfach das B gegen das P.

Natürlich bleibt in dem Artikel der neue Hauptstadtflughafen mit dem Kürzel BER nicht unerwähnt. Der wird einfach nicht fertig. Früher – jetzt nicht mehr – wurde immer ein Tag für die Eröffnung genannt, der nie eingehalten wurde. Gab es überhaupt jemanden, der da mitgezählt hat?

Berlin oder Pattaya
Berlin oder Pattaya

Auf Pattaya-Verhältnisse übertragen, handelt es sich bei BER hier um den schon vor Eröffnung berüchtigten Tunnel. Sagen Sie zu einem Berliner „Flughafen“. Sie werden dieselbe Reaktion erhalten, wenn Sie zu einem Pattayaner „Tunnel“ sagen. Nun, der sollte laut Sprecher der Stadtverwaltung am 25. August öffnen. Anfang August sollte es eine neue Pressekonferenz geben. Die aber wurde abgesagt. Der Sprecher sagte lediglich, er dürfe sich über den Tunnel nicht mehr äußern, schon gar nicht, wann er geöffnet wird, und ob der 25. August eingehalten werden kann.

Hatte sich der BER-Flughafenchef nicht ebenfalls in dieser Richtung geäußert? Er meinte, er sage einfach nicht mehr, wann die voraussichtliche Eröffnung sein könnte.
Dann kam es in Pattaya zu einer neuen Kehrtwende. Mitte August hieß es plötzlich: Jawohl, der Termin wird eingehalten, am 25. August ist es soweit.

Dem Artikel über Berlin entnahm ich ferner, dass nach wie vor streng darauf geachtet wird, dass die Geschäfte sonntags geschlossen haben. So einige Pattayaner dürften einen Kulturschock erleiden, wenn sie nach längerer Zeit wieder nach Berlin (oder anderswo in Deutschland) zurückkehren, um festzustellen, dass dann, wenn alle Zeit haben, nämlich abends und sonntags, alle Geschäfte geschlossen haben. Ja, es gibt noch nicht einmal einen 7-Eleven. Und wenn es den gäbe, hätte der auch zu. Kaum zu fassen, aber wahr. Wie können die Berliner da überleben? Ich weiß es auch nicht.

Es wurde berichtet, dass Polizeistreifen unterwegs sind und auf dieses Verkaufsverbot achten. Wehe, ein Tante-Emma-Laden wagt, an einem heiligen Sonntag zu öffnen. Hier scheint auch Schluss zu sein mit der Toleranz der deutschen Politik für andere Religionen. Denn woanders ist Freitag ein Feiertag, und dann wäre es doch nur konsequent, wenn erlaubt würde, dass die Angehörgen dieser Religionen ihre Geschäfte sonntags öffnen dürfen?

Dieses sonntägliche Verkaufsverbot erinnerte mich jedenfalls an die Spaßstadt Pattaya, die vom Tourismus lebt, und in der rund um die Uhr gefeiert werden könnte. Wäre da nicht die Sperrstunde, die Touristen sehr wohl verunsichert, weil in Unterhaltungsbetrieben in den Heimatländern morgens um fünf durchaus noch Remmidemmi angesagt ist.

Eines der Highlights in dem Artikel ist die Gegenüberstellung, dass die Polizei sagt, sie sei wegen der vielen Fahrraddiebstähle in Berlin machtlos, aber als ein Bistrobesitzer einen Tisch auf den Bürgersteig stellte, waren die Beamten sofort vor Ort und wiesen den Eigentümer in die Schranken.

So beobachtet auch in Pattaya. Die Polizei rückt an, wenn Straßenhändler etwas auf der Straße verkaufen. Besonderen Ärger gibt es, wenn sie ihre mobilen Verkaufsstände auf der Walking Street oder der Beach Road aufstellen.

Was die vielen Raubüberfälle auf Touristen betrifft, gelingt es der Polizei aber nicht, diese Straßenkriminalität oder den Drogenhandel in den Griff zu bekommen.

Erinnert wird im Berlin-Artikel an den Görlitzer Park, in dem der Drogenhandel floriert. Die Polizei greift nicht mehr ein. Der Staat zieht sich zurück. DHL liefert in drei Berliner Problemkiezen aus Sicherheitsgründen nicht mehr aus.

Am Schluss des Artikels über Berlin wird argumentiert, dass es nichts bringt, wenn man wegsieht. Man muss Dinge beim Namen nennen dürfen, um Missstände aufzudecken und zu beenden. Wenn darauf hingewiesen werden muss, dass es auch Dinge gibt, die funktionieren oder schön sind, dann stimmt von vorneherein schon etwas nicht.

Euer

Walter Weiß

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