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Ausländische Bettler

Ausländische Bettler

Ein Ausländer kann im Land des Lächelns kaum tiefer sinken, wenn er sich die Großzügigkeit thailändischer Buddhisten zunutze macht, schreibt Andrew Biggs in der Bangkok Post.

Kürzlich wurde in den thailändischen Medien über zwei Ausländer berichtet, die an einer Kreuzung in Klong Toey in Bangkok um Geld betteln. Es wurden Fotos einer Frau veröffentlicht, die thailändische Fähnchen an Autofahrer verkauft, die bei rot an der Kreuzung halten. Ein Mann soll ähnliches tun, berichtete die Bangkok Post.

Es war aber nicht nur die Bangkok Post, die die beiden gesehen hat. Ich habe sie schon eine Woche lang beobachtet, bis in den Medien über die beiden berichtet wurde.

An einem Freitagmorgen war ich auf der Kasem Rat Road unterwegs und wartete darauf, dass die Ampel an der Ecke Rama IV. Road auf grün schaltet. Ich saß auf der Rückbank meines stattlichen Automobils, während mein Chauffeur und persönlicher Assistent vorne saß. Mein Assistent hatte auf der Stereoanlage einen Luk-Thung-Song eingeschaltet. Normalerweise würde ich einem Angestellten nie durchgehen lassen, dass er die Playlist in meinem Wagen kontrolliert, aber er spielte diesen Song, weil er „dachte, der Song könnte in einer gewissen sprachlichen Hinsicht interessant sein.

In dem Song von einem thailändischen Countrysänger geht es darum, dass er kein Englisch spricht und daher keinen Kontakt mit Frauen aus dem Westen aufnehmen kann. Um Salz in die Wunde zu streuen, sind die thailändischen Frauen nicht an ihm interessiert, weil sie lieber mit einem Ausländer zusammen sind. Um ehrlich zu sein, hat dieser Typ im Glitzeranzug ein Gesicht, das wohl nur seine Mutter lieben kann. Etwas weniger Make-up und ein paar mehr Proteine würden bessere Resultate erzielen als eine Konversation auf Englisch.

Der Song heißt Ai Khui Bor Khaeng, was den finsteren thailändischen Humor enthüllt, denn das bedeutet: Ich spreche nicht gut Englisch. Im Grunde handelt es sich aber um ein Wortspiel, denn wenn die Titelzeile schnell gesungen ist, hört sich das eher an wie Ich habe keine Erektion. Da diese Art Humor universell ist, hat der Song auf YouTube schon über eine Million Klicks.

Dieser Song also dröhnte aus den Lautsprechern, und mein Assistent erklärte mir, wie nur ein Vokal aus einer Geschichte über unzureichende Fremdsprachenkenntnisse eine über erektile Dysfunktion macht. Dann tauchte der ausländische Bettler mit seinen thailändischen Fähnchen vor dem Fenster auf.

Er war Anfang 20, sah gesund aus und viel besser, als dieser Glitzertyp, der den Countrysong sang. Er sah aus, als ob er gerade den Bus von der Khao San Road nach Klong Toey genommen hätte. Er hielt vor jedem Auto, das vor der Ampel stand, übergab ein thailändisches Fähnchen und ein kleines Stück Papier.

Lass die Scheibe runter!“, rief ich meinem Fahrer zu. „Und mach dieses schreckliche Lied aus!
Beide Befehle trugen sofort Früchte. Als mein thailändischer Fahrer die Scheibe herunterließ, übergab ihm der lächelnde Farang ein thailändisches Fähnchen und einen Zettel. Dann ging er weiter.

In perfektem Thai stand auf dem Papier: „Hallo. Ich bin taub. Ich verkaufe Fähnchen für 100 Baht, damit ich Geld für ein Hörgerät sparen kann. KönnenSie mir helfen?

Ein tauber Mann? Der für ein Hörgerät sammelt?  Genau! Und ich bin ein Saudi-Prinz.

Er sieht nicht taub aus“, sagte mein Assistent sofort. „Er sieht zu gut aus, um taub zu sein.

Da war keine Zeit, mich mit meinem Assistenten über seine Sicht auf Behinderte auseinanderzusetzen, auch wenn da was Wahres dran war. Ich ärgerte mich vielmehr darüber, dass jemand ein thailändisches Fähnchen, das 20 Baht kostet, für das Fünffache verkaufte.

Nach 30 Sekunden kehrte der gehörgeschädigte Farang-Bettler zurück. „Gib ihm das zurück“, bellte ich meinem Fahrer zu.
Der Mann nahm das Fähnchen und war verschwunden.

Ich bedaure den letzten Befehl. Ich hätte das Fähnchen kaufen sollen, dann hätte ich ein Beweisstück in Händen gehalten.
Das war aber noch nicht alles. Als die Ampel auf grün schaltete und wir auf die Rama IV. Road fuhren, merkte ich, dass der Typ nicht alleine war. Da war noch eine sehr attraktive blonde Frau, ebenfalls mit überteuerten Fähnchen.

Sieh dir die mal an!“, rief mein überraschter Assistent. „So viele gut aussehende Taube unterwegs heute!
Das war tatsächlich eine interessante Erfahrung auf vielerlei Ebenen. Wir Ausländer benehmen uns hier oft schlecht. Waren da nicht gerade die beiden Schwulen, die in Tempeln ihre Hinterteile entblößt hatten? Und jetzt kamen auch noch Taube dazu.

Es ist sicherlich nicht das erste Mal, dass ich Ausländer aus dem Westen in Klong Toey gesehen habe, die Dinge machen, die Leute mit gesundem Menschenverstand nie machen würden.

Ab und zu gibt es da diese religiösen Typen, die mit Lautsprecher und Mikrofon auf dem Bürgersteig stehen und laute Botschaften verkünden, in denen es heißt, wir sollten unsere Sünden bereuen und uns zu Jesus bekennen, denn er ist der Sohn des Herrn.

Man muss schon ein Patient sein, wenn man in der Hitze steht, Autoabgase einatmet und per Mikrofon das Wort Gottes verkündet bzw. davor warnt, was passiert, wenn man sich nicht zu Jesus bekennt. Diese armen Seelen haben nichts, denn da sie religiöse Fanatiker sind, haben sie nicht diese natürliche Schönheit wie die beiden tauben Rucksacktouristen. Jeder, dem es an Sexappeal fehlt, muss etwas anderes haben, um sich ans Leben zu klammern, nämlich die Verkündung von Gottes Wort.

Das mögen komische Typen sein, aber die beiden mit den Fähnchen sind noch schlimmer. Sie nutzen die Freundlichkeit der Thais aus. In dem buddhistischen Land stehen Opfergaben für ein gutes Karma.

Da ist zum Beispiel meine Nachbarin, eine sehr elegante Dame, bei der die Frisur immer korrekt sitzt, und die immer gut angezogen ist.

Ich habe gerade herausgefunden, dass sie einmal pro Woche die Toiletten des örtlichen Tempels putzt. Sie macht das für ein gutes Karma. Buddhismus fördert Freundlichkeit und Opferwillen.

Wenn da also junge Leute sind und meinen, sie könnten die Großzügigkeit der Einheimischen ausnutzen, indem sie eine Behinderung vorgeben, dann werde ich etwas ärgerlich. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Selbst wenn sie taub sind, welches Recht haben sie dann, Autofahrer um 100 Baht zu erleichtern, indem sie billige Fähnchen verkaufen?

Wie verdreht die moderne Welt doch ist. Thais sind davon überzeugt, dass Leute aus dem Westen reich und die Thais arm sind.
Aber vielleicht ist es ja genau umgekehrt?

Da ist doch der Skandal im Vizepremierminister General Prawit Wongsuwon, der mit einer Armbanduhr gesichtet wurde, die zehn Millionen Baht wert sein soll.

Die beiden tauben Ausländer wollen Hörgeräte? Dann sollen sie auf der Straße keine Fähnchen mehr verkaufen, sondern sich der thailändischen Armee anschließen.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/lifestyle/social-and-lifestyle/1376007/deaf-western-beggars-deserve-a-right-earful

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