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Arbeitsplätze in Automobilindustrie nicht mehr sicher

Arbeitsplätze in Automobilindustrie nicht mehr sicher

US-Präsident Donald Trump kann machen, was er will. In ausnahmslos allen deutschen Medien wird er, um es einmal salopp zu formulieren, als der letzte Vollpfosten dargestellt. Er kann machen, was er will, es ist immer falsch.
Wahrscheinlich ist es auch falsch, dass die Volkswagen AG, wie sie Anfang Januar mitteilte, 800 Millionen Dollar in ein VW-Werk in Chattanooga, Tennessee, investiert, um neue Elektroautos zu bauen. Mit Ford wolle VW eine „globale Allianz“ eingehen, hieß es.
Der deutsche Autohersteller gab auf der Detroit Auto Show bekannt, dass man in Chattanooga nicht nur 800 Millionen Dollar investiere, sondern mit diesen Investitionen auch 1.000 neue Arbeitsplätze schaffe. Die Produktion der Elektroautos beginne 2022.
VW-Chef Herbert Diess sagte, die Firma überlege, in den USA auch Luxusautos zu bauen, doch eine endgültige Entscheidung sei darüber noch nicht gefallen.
Die deutschen Autohersteller wurden von US-Präsident Trump unter Druck gesetzt, ihre Investitionen in den USA zu erhöhen. Diess und Vertreter von BMW und Mercedes trafen sich mit Trump im Weißen Haus im Dezember letzten Jahres und baten diesen, keine Strafzölle auf deutsche Fahrzeuge zu erheben.
Die Investitionen in Tennessee seien laut Diess ein Signal, dass VW gegenüber den USA verpflichtet sei. Bei Trump heißt das: America first!

VW baut 7.000 Stellen ab

Und Deutschland last! Denn: Hier ist genau das Gegenteil der Fall. In Emden und Hannover wird VW 7.000 Arbeitsplätze abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es laut Diess jedoch nicht geben, vielmehr sollen die Mitarbeiter wegen der verschärften CO2-Grenzwerte in den Vorruhestand geschickt werden. 4.000 Stellen in Hannover und 3.000 in Emden könnten hiervon betroffen sein.

Weniger Arbeitsplätze

Sicher ist eines: Es wird auf Dauer weniger Arbeitsplätze in der Automobilbranche mit über 800.000 Beschäftigten geben, obwohl diese doch ein Standbein der deutschen Wirtschaftsleistung ist.
Mercedes Benz gab einen Gewinneinbruch von einem Drittel bekannt. Was das bedeutet, dürfte jedem klar sein. Facharbeiter sind die am besten verdienenden Arbeiter in Deutschland. Sie zahlen hohe Steuern und viele Sozialabgaben.
Ähnlich wie in den USA gab es ein Treffen zwischen Autoherstellern und Bundeskanzlerin Angela Merkel im letzten September im Kanzleramt. Hierbei ging es um eine weitere Begrenzung des Schadstoffausstoßes bei Diesel-Fahrzeugen, nicht aber um das Wohlergehen der deutschen Autoindustrie. Bei dem Treffen wurde kein Ergebnis erzielt.
Falls tatsächlich immer mehr Elektroautos gebaut werden, so werden weniger Mitarbeiter benötigt, weil diese nicht so komplex wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind. Auch wenn, wie VW verspricht, in Hannover und Emden niemanden entlassen zu wollen, so werden dann aber vorläufig auch keine neuen Mitarbeiter eingestellt. Für die Elektroautos, die dort gebaut werden sollen, braucht es zunächst keine Einstellungen.
Die gesamte Industrie hat in Deutschland inzwischen mit dem politisch gewollten Wandel zu kämpfen. 800.000 Arbeitsplätze sind betroffen. Nach Schätzungen könnten bis 2030 um die 15 Prozent dieser Arbeitsplätze verloren gehen. Je weniger Verbrenner, umso weniger Arbeitnehmer, lautet die einfache Faustregel.
Da es sich bei den Beschäftigten um Facharbeiter handelt, dürfte es für sie sehr, sehr schwierig sein, im Falle der Entlassung einen gleich gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Falls sie nicht erst einmal arbeitslos bleiben.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostizierte, dass wegen der Umstellung auf Elektroautos 114.000 Arbeitsplätze verloren gehen werden. Diese Prognose geht davon aus, dass Elektroautos 2035 einen  Marktanteil von 23 Prozent ausmachen. Ob das realistisch ist, ist natürlich eine ganz andere Frage. Woher der Strom für die vielen Autos kommt, noch eine ganz andere.
Um die Vorgaben im Klimaschutz zu erfüllen, müsste der Anteil der von VW gebauten Autos im Jahre 2030 etwa ein Viertel der Gesamtproduktion ausmachen. Dass innerhalb von zehn Jahren zu bewältigen, ist eine Herausforderung. Einem Autohersteller könnte eigentlich nicht übel genommen werden, wenn er sich im Ausland, d.h. außerhalb der Europäischen Union umsieht. VW will aber gern auf Elektroautos setzen und hofft, 2030 eine Million E-Autos zu verkaufen.

Arbeitsplätze in Automobilindustrie nicht mehr sicher
Arbeitsplätze in Automobilindustrie nicht mehr sicher

Nach einer EU-Vorgabe sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um weitere 37,5 Prozent gesenkt werden. Das ist kaum zu schaffen. Zugleich soll es Strafzahlungen bei zu hohem CO2-Ausstoß geben. Doch die Batterien für Elektroautos sind teuer. Das werde für einen Autohersteller nur mit Arbeitsplatzabbau möglich sein, der über die Vorruhestandsregelung nicht mehr aufgefangen werden kann, warnte Diess. Alles läuft darauf hinaus, dass Autofahren teurer wird.
Der Betriebsratschef von Daimler, Michael Brecht, sagte ganz offen, dass die Produktion in größerem Umfang nach Osteuropa verlagert wird. Dadurch würden Autohersteller die höheren Kosten ausgleichen. So würde es immer schwerer, in Deutschland Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen.
Bernd Osterloh, Betriebsratschef von VW, warnte gar vor „unkontrollierbaren Arbeitsplatzverlusten“. Ob in Berlin und Brüssel klar sei, was man der Autoindustrie und den darin Beschäftigten antue?
Die IG Metall rechnet mit einem Wegfall von 200.000 Arbeitsplätzen.

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