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Angkor Wat nach Bangkok

Angkor Wat nach Bangkok

Thailand wird von Kambodscha mitunter vorgeworfen, seine Kultur von der Khmer-Kultur „abgekupfert“ zu haben, angefangen vom traditionellen Tanz Khon bis hin zum Tempel Preah Vihear. Aber all diese Auseinandersetzungen verblassen im Vergleich mit der Tatsache, dass Thailand versucht hat, Angkor Wat abzutragen und in Bangkok wieder aufzubauen.

Santi Pakdeekham, Historiker und Experte für Khmer-Kultur, erinnerte bei einem Vortrag an ein bizarres und gleichzeitig ambitioniertes Projekt, das heutzutage so gut wie vergessen ist. Es hätte, wenn erfolgreich, dazu geführt, dass Teile des beinahe 1.000 Jahre alten Tempels Angkor Wat, eines der größten religiösen Bauwerke der Welt, neben dem jetzigen CentralWorld in Bangkok stehen würden.
Den Plan, Angkor Wat abzutragen und in Siam wieder aufzubauen, hatte König Rama IV. im Jahr 1859, ein Jahr, bevor der französische Entdecker Henri Mouhout auf den massiven Tempelkomplex stieß und die Aufmerksamkeit der Welt auf das architektonische Wunder lenkte.

„Sein königlicher Wunsch lautete, den Tempel abzubauen“, sagte Santi, Dozent an der Sri Nakarinwiroj Universität.

Mit einem königlichen Befehl sollten siamesische Truppen nach Angkor entsandt werden, um dort Teile des Tempels abzubauen, nach Bangkok zu transportieren und dort als Wat Prathum wieder aufzubauen. Heute läge der Tempel zwischen zwei großen Einkaufszentren im Viertel Siam.

Weitere Teile Angkors sollten nach Phetchaburi gebracht und dort aufgebaut werden, wo der König einen Palast auf einem Berg hatte.

Sani erklärte das Motiv des Königs damit, dass die Khmer-Kultur tief mit der thailändischen Monarchie verflochten war, die sich selbst als Abkömmling des einst mächtigen Khmer-Reiches ansah. So führte beispielsweise König Narai gegenüber portugiesischen Emissären einmal aus, seine Dynastie könnte bis zu den Herrschern Angkors zurückverfolgt werden.

„Die Monarchen sahen sich selbst als Abkömmlinge von dort, und daher haben sie seitdem versucht, zurückzukehren und das Land ihrer Ahnen zu erobern und die Oberhoheit zu erlangen“, sagte Santi.

Die Provinz, in der Angkor steht, heißt Siamreap, und das bedeutet „Siam besiegt“. Zurück geht das auf den siame-
sischen König Chairachathirat, dem es im 16. Jahrhundert nicht gelang, Angkor zu erobern.
Leider – aus Sicht von König Rama IV. – gelang es nicht, Angkor Wat abzubauen. Die Expedition wurde auf dem Weg nach Angkor von den Khmer angegriffen, dabei kam der Anführer ums Leben. Als der König eine zweite Expedition entsenden wollte, sagten ihm seine Berater, dass dies keine gute Idee sei.

Als Trost wurde innerhalb des Tempels des Jadebuddha in Bangkok ein Miniaturmodell von Angkor Wat gebaut. Es wurde 1868 vollendet, ein Jahr nach dem Tod des Königs.

Als die Franzosen aus Kambodscha eine französische Kolonie machten, endete der Traum von der Herrschaft über das alte Khmer-Reich.

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