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Ameisen

Ameisen

Liebe Leser,
heute machen wir wieder mal einen Ausflug in die Tierwelt. Nicht die Großen oder längst ausgestorbenen sind dran – nein, ganz kleine: die Ameisen! Genau wie die Schweizer, Österreicher und die Deutschen bilden sie Staaten und sind kolossal fleißig. Der Chef, oder besser gesagt die Königin hat das Sagen und produziert die komplette Nachkommenschaft, und das unermüdlich. Eine Heerschar von Arbeiterinnen kümmert sich um die Brut, geht auf die Jagd und hält das Nest sauber. Die Soldatinnen bewachen alles und bringen auch Beute nach Hause.

Wissenschaftlich gesehen, sind Ameisen (Formicidae) eine Familie der Insekten innerhalb der Ordnung der Hautflügler. Es gibt ungefähr 13.000 Arten, davon leben etwa 200 in Europa. (Das unterscheidet sie von den Deutschen, die nach bayrischer Leseart in nur zwei Gruppen unterschieden werden, nämlich Bayern und Preißn.)

Die ältesten fossilen Funde stammen übrigens aus der Kreidezeit und werden auf ein Alter von 100 Millionen Jahren geschätzt. Die Ameise lebt gerne in tropischen, subtropischen und gemäßigten Klimazonen aller Kontinente. Manche Arten stoßen sogar bis in die subarktischen Zonen Sibiriens vor. Der größte Artenreichtum findet sich natürlich in den Tropen.

Ameisenstaaten bestehen aus einigen hundert bis mehreren Millionen Individuen. Sie sind arbeitsteilig organisiert und besitzen immer wenigstens drei sogenannte Kasten: Arbeiter, Weibchen (Königin) und Männchen. Im Gegensatz zu anderen Staaten bildenden Hautflüglern sind bei Ameisen die Arbeiter grundsätzlich flügellos. Nur die geschlechtsreifen Weibchen und Männchen besitzen Flügel. Zur Paarung werden beflügelte Weibchen und Männchen aufgezogen, die den elterlichen Bau gleichzeitig in großen Schwärmen verlassen. Nach der Paarung sterben die Männchen (wenigstens das ist uns erspart geblieben), während die Weibchen die Flügel abwerfen (oder abbeißen) und neue, eigene Kolonien gründen oder in den elterlichen Bau zurückkehren, in dem dann mehrere Königinnen koexistieren.

Ameisen bilden eine große Vielzahl unterschiedlicher Lebensweisen aus, von nomadischen „Jägern“ über „Sammler“ und „Viehzüchter“ bis hin zu Arten, die Pilze als Nahrungsquelle kultivieren wie die Blattschneiderameisen. Einige Arten betreiben quasi Sklaverei, indem sie Ameisenlarven anderer Arten entführen und später für sich arbeiten lassen.

Ameisen sind nicht näher verwandt mit den ebenfalls Staaten bildenden Termiten, die einer eigenen Ordnung (Isoptera) angehören und nahe verwandt mit Fangschrecken (Gottesanbeterinnen) und Schaben sind. Ameisen und Termiten bekriegen sich bis auf das Äußerste und überfallen sich gegenseitig.

Eine Reihe von Ameisenarten – zum Beispiel Treiberameisen – ernähren sich ausschließlich räuberisch. Daneben ernähren sich einige Arten auch von frischem Aas.
Nomadisch lebende Ameisenarten, wie die Treiber-, Wander- und Amazonenameisen, jagen als gesamtes Volk. Dabei bilden beispielsweise die Wanderameisen Fronten, die nicht selten 14 bis 20 Meter breit werden können. Neben diversen Wirbellosen erbeuten sie gelegentlich auch junge Vögel, kleine Säugetiere und sogar Schlangen.

Transportieren mehrere Ameisen Beute gemeinsam zum Nest, so beruht das nicht auf einer Absprache, also auf einer kommunikativen Intelligenz. Vielmehr versucht jede Ameise für sich die Beute in Richtung Nest zu schaffen. Sind genug Ameisen herangekommen, um die Beute der Masse nach wegschaffen zu können, und zerren genug Ameisen in etwa in dieselbe Richtung, nämlich auf derselben Straße Richtung Nest, so setzt sich der Transportzug automatisch in Bewegung. Je intensiver die Straße durch Pheromone markiert ist, desto besser kommt der Zug voran.

Natürlich haben auch Ameisen ihre Feinde, in Mitteleuropa ernähren sich einige Vogelarten wie z. B. der Grün-, Bunt- und Schwarzspecht, kleine Schlangen, Amphibien, Spinnen, Insekten, aber auch Wildschweine von Ameisen.

Die Larven der Ameisenjungfern, die Ameisenlöwen, sind unter anderem auf das Erbeuten von Ameisen spezialisiert. Der Grünspecht alleine, deckt die Hälfte seines täglichen Nahrungsbedarfs mit circa 3.000 bis 5.000 Ameisen. Außerhalb Europas sind vor allem Ameisenbären bedeutende Fressfeinde, im Süden der USA sowie in Mittelamerika kommt in dieser Beziehung den Krötenechsen größere Bedeutung zu, die sich fast ausschließlich von Ameisen ernähren.

Viele Wirbellose (wie z. B. Raubwanzen) imitieren die Pheromone der Ameisen und legen damit Ameisenstraßen an, auf denen die Ameisen ihren Feinden entgegenlaufen. Einige Spinnentiere, Tausendfüßlerarten und Käfer imitieren speziell die Pheromone der Ameisenlarven. So können sie ungehindert, teilweise auch getragen von den Brutpflegerinnen, in den Bau zu den Brutkammern eindringen und sich der Larven bedienen.

Besonders erwähnt werden muss auch noch die rote Feuerameise. Diese Spezies ist ein ursprünglich aus Südamerika stammender Vertreter der Feuerameisen. Seit etwa 1920 hat sich die Rote Feuerameise als Neozoon in den südlichen Staaten der USA ausgebreitet, neuerdings auch in Australien, China und Taiwan. Sie ist sehr aggressiv gegen andere Ameisenstaaten, vernichtet diese und besetzt das Territorium. Ihr Biss ist sehr schmerzhaft. Alle Versuche, ihren Vormarsch zu stoppen, sind gescheitert.

Ich persönlich habe nichts gegen Ameisen, solange sie im Wald bleiben und dort für Ordnung sorgen. Gott sei gedankt, Ameisen mögen kein Bier (und Schnaps auch nicht!), ganz im Gegenteil zu mir und vielen anderen Zeitgenossen. Wenigstens da kommen wir uns nicht ins Gehege.

Ich wünsche Euch alles Gute und eine Ameisen freie Wohnung und Speisekammer – wie immer

Euer Herby

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