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20.000 Mal einkaufen gehen

20.000 Mal einkaufen gehen

Eine dänische Studie stellt den Glauben auf den Kopf, dass Baumwolltaschen oder Jutebeutel umweltfreundlicher sind als Plastiktüten. Einige Punkte der Studie könnte man als umstritten bezeichnen, andere wiederum sind durchaus einleuchtend.

20.000 Mal einkaufen gehen
20.000 Mal einkaufen gehen

Es ging schon Mitte der 70er Jahre los mit dem Slogan „Jute statt Plastik“. Das stand auf Beuteln, die von umweltbewussten Leuten mit zum Einkauf genommen worden. Der Beginn der Ökobewegung. Die Plastiktüte gab es kostenlos an Supermarktkassen.

40 Jahre später: Die Plastikflut, die über Deutschland brandete, ebbte wieder ab. Tragetaschen aus Plastik sind kostenpflichtig, viele Kunden nehmen in Geschäfte Beutel mit – nicht unbedingt aus Jute, eher aus Baumwolle oder Kunstfaser. Andere benutzen Plastiktüten, die sie in Supermärkten erworben haben und nicht als Müllbeutel verwenden, mehrfach als Tragetasche.

Das dänische Umweltministerium wollte es genau wissen und gab eine Studie in Auftrag, ob denn Baumwollbeutel oder andere Materialien wirklich so viel besser sind als Plastik, wenn sie als Tragetasche fungieren.

Die Antwort auf den Punkt gebracht: Mit einem Baumwollbeutel muss man laut Studie 20.000 Mal einkaufen gehen, bevor sich dessen Ökobilanz auszahlt.

Argumentiert wird in der Studie, dass Baumwollplantagen sehr viel Wasser verbrauchen. Bio-Baumwolle noch mehr, und weil der Ertrag geringer ist als bei herkömmlicher Baumwolle, müssen die Plantagen entsprechend größer sein und brauchen mehr Nutzfläche.

Schon 2014 gab es diesbezüglich eine Studie, diesmal in der Schweiz. Auch hier schnitt die Baumwolltasche ziemlich schlecht ab. Allerdings sind die Zahlen besser: Laut Schweizern rentiert sich die Benutzung schon nach 20 Mal einkaufen gehen. Sieger mit der besten Ökobilanz war bei den Schweizern die Plastiktüte, die zu 80 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt wurde.

Der Unterschied zwischen 20 (Schweiz) und 20.000 (Dänemark) kommt daher, dass die Dänen vor allem den Wasserverbrauch für die Baumwollherstellung berechnet haben. Das fiel bei den Schweizern offenbar unter den Tisch. Bei den Umweltauswirkungen spielte auch die Ozonzerstörung eine Rolle, bei den Schweizern jedoch gleichfalls nicht.

Das Maß aller Dinge oder der Plastiktragetaschen ist bei den Dänen das Volumen von 22 Litern. Da die Baumwolltaschen in Dänemark nur 20 Liter fassen, wurde in der Studie berechnet, dass zwei Taschen aus Baumwolle auf eine Plastiktüte kommen.

Tatsache bleibt aber: Wenn man eine Tragetasche – aus Baumwolle oder aus einem anderen Material – mehrfach zum Einkauf benutzt, dann werden Ressourcen geschont.

Die dänische Studie geht außerdem davon aus, dass alle Tragetaschen korrekt entsorgt werden, d.h. nicht auf die Straße geworfen werden oder anderswo nicht im Müll landen. Jahr für Jahr werden Millionen von Euro für Reinigungskosten ausgegeben, weil Müll – und damit auch Plastiktüten – nicht in Mülltonnen entsorgt wird.

Ein anderer Punkt ist, dass sich Plastik in der Natur so gut wie nicht auflöst. Der Müll landet irgendwann im Meer und zerfällt dort in immer kleinere Teile, das Mikroplastik baut sich nicht ab.

In Thailand darf man sich über die dänische Berechnung von 22 Litern pro Tüte sicherlich wundern, denn im Land der Plastiktüten gibt es bekanntlich allerlei Größen, sogar eine Art von Pygmäentüte, die nur dafür da ist, eine Büchse Cola oder eine kleine Flasche Wasser zu transportieren. Nicht schlecht wäre es, wenn man sich dazu noch zwei schöne Plastikstrohhalme geben lässt, um die persönliche Ökobilanz des Tages vollständig zu ruinieren.

Umweltexperten weisen darauf hin, dass es nicht nur darauf ankomme, wie viele Plastiktüten man kauft oder nicht, sondern auch, wie man in den Supermarkt gelangt. Wer mit dem Wagen oder Motorrad in den Supermarkt fährt, hat eine schlechtere Bilanz als jemand, der zu Fuß geht oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangt.

Grüne werden sicherlich der Meinung sein, dass es zu vermeiden ist, jeden Tag Fleisch zu essen, denn allein dann wäre die Ökobilanz hin, und dann stört es auch nicht mehr, wenn man sich Plastiktüten geben lässt.

Das ist vielleicht etwas übertrieben formuliert, aber jeder sollte hier einen gesunden Mittelweg finden. In Thailand seine eigenen Taschen in den 7-Eleven oder ins Big C mitzunehmen, wäre sicherlich ein guter Anfang.

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